Erfatal-Museum Hardheim
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G 4
Landesherrschaft im Erfatal:
Bischöfe, Edelfreie und Ministeriale

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Streit um Hardheim

Die Jahrhunderte des hohen Mittelalters bis zur frühen Neuzeit hin waren im Erfatal geprägt durch die Herrschaftskonkurrenz verschiedener Hoch- und Niederadelsgeschlechter und der Bistümer Mainz und Würzburg.

Die unklaren Herrschaftsverhältnisse in Hardheim haben verschiedene Ursachen; am wichtigsten ist dabei wohl, daß es im Land zwischen Neckar, Main und Tauber kaum Reichsgut gab, also kein Land, das dem König direkt "gehörte".

Dafür gab es viele "Edelfreie", Adlige mit oft großem Grundbesitz. Auf diesem Grundbesitz war der Eigentümer auch Herr und übte alle herrschaftlichen Rechte - z.B. die Gerichtsbarkeit - aus. Zu diesen Edelfreien zählten im Bauland vor allem die Edelfreien von Dürn, wohl aber auch die früh ausgestorbenen Herren von Schweinberg.

Zur Verwaltung all ihrer Rechte und Besitzungen setzten diese Edelfreien schon im 12. Jahrhundert Dienstleute ein: Ministerialen. Zu den Ministerialen der Dürn gehörten auch die 1197 erstmals erwähnten Herren von Hardheim.

Neben die weltlichen Herren tritt auch die Kirche in Konkurrenz um die Herrschaft über Land und Leute. Dabei treffen im Bauland die Bischöfe von Mainz und Würzburg als direkte Gegner aufeinander - nicht nur im Streit um die Ausdehnung der Diözesen, sondern auch um die Vorherrschaft in diesem Raum.

Der Erzbischof von Mainz spielte als Reichskanzler und später als Kurfürst auch in der Reichspolitik eine tragende Rolle; dem Bischof von Würzburg hatte der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1168 den Titel eines Herzog von Franken verliehen und damit das Bestreben der Bischöfe von Würzburg unterstützt, oberste Herren im Bereich ihrer Diözese zu sein.

Exponattexte

G 8.1

Die Lehenspyramide am Beispiel von Hardheim könnte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts so ausgesehen haben:
An der Spitze steht der Kaiser - hier Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152 - 1190; Wappen Kaiser Heinrichs VI., 1190 - 1197).
Der Kaiser ist oberster Lehensherr beispielsweise des Bischofs von Würzburg (z.B. Bischof Herold, 1168; Wappen des Bischofs Hermann (II.) von Lichtenberg, 1333 - 1335/Auswahl: Johann von Brunn, 1411 - 1440), der vom Kaiser auch mit dem Titel eines Herzogs von Franken belehnt wurde, und des Erzbischofs von Mainz (z.B. Christian von Buch, + 1183; Wappen des Erzbischofs G. F. v.Greiffenclau-Vollraths von Mainz).
Darunter stehen als Kron- und teilweise als Aftervasallen verschiedene fränkische Edelfreie - hier als Beispiele Kraft von Schweinberg (1168), Rupert von Dürn (1197; Wappen des Boppo von Dürn, 1313) und Wolfram, Graf von Wertheim (+ 1157; Wappen von 1210/20).
Auf der nächsten Stufe stehen Ministeriale (ursprünglich unfreie Dienstleute), die in den Niederadel aufsteigen - z.B. Aplo von Rosenberg (+ 1178; Wappen Eberhard von Rosenberg 1327), Heinrich von Hardheim (1197) und Eberhard von Berlichingen (1212).
Die Basis der Pyramide und damit des mittelalterlichen Gesellschaftsaufbaus bilden die bäuerlichen Hintersassen: mehr als 90 % der Bevölkerung sind abhängig von mehreren Herren und häufig unfrei.

G 8.3

Halsgeige; 18. Jahrhundert

Die Halsgeige ist ein Teil des Prangers - mit ihr wurde ein Verurteilter an einem öffentlichen Platz angekettet, in Hardheim auf dem Schloßplatz. Der dazugehörige Stein ist noch heute an der nordwestlichen Ecke des Museumsgebäudes, neben dem alten Ortskerker, zu sehen.
Der Pranger entsprach als Strafe dem mittelalterlichen Rechtsempfinden: der öffentlich ausgestellte Verbrecher war der Rache aller ausgesetzt.


G 9

Die Herren von Hardheim

Die Herren von Hardheim waren zu Beginn ihrer Familiengeschichte keine Adligen, sondern Unfreie. Sie dienten den Edelfreien von Dürn in der Verwaltung ihrer Besitztümer und Rechte.

Eine solche Stellung wurde im Mittelalter aber häufig zum Familienerbe; außerdem nannte sich die Familie nach ihrem Amtssitz, so wie das auch die Adligen taten. Und nach einigen Generationen war die ursprüngliche Unfreiheit vergessen, die Familie war in den Niederadel aufgestiegen.

So auch die Familie von Hardheim: Heinricus von Hardheim, 1197 Zeuge einer Urkunde Rupert I. von Dürn, ist Dienstmann des letztgenannten. Als die Familie Dürn 1323 ausstirbt, erhalten die Nachkommen des Heinricus, die Brüder Werner und Reinhard von Hardheim das Obere bzw. das Untere Schloß zu Lehen.

Sie heißen inzwischen Miles - Ritter - und kümmern sich so wenig um ihre obersten Lehensherren, daß Werner 1324 sein Schloß und den damit verbundenen Herrschaftsanteil einem neuen Lehensherrn aufträgt und von diesem wieder verliehen bekommt - dem Erzbischof von Mainz, dem schärfsten Konkurrenten des Bischofs von Würzburg um die Vorherrschaft im Bauland.

Damit hat Hardheim zwei oberste Lehensherren - den Bischof von Würzburg, vertreten durch den Grafen von Wertheim, der sein Lehen an Reinhard von Hardheim gegeben hat, und den Erzbischof von Mainz, vertreten durch Werner von Hardheim.

Exponattexte

G 7.3

Funde aus dem Graben der Unteren Burg

Im April 1989 führte das Landesdenkmalamt Karlsruhe am Steinernen Turm in Hardheim eine Grabung durch, die einige Aufschlüsse über die Untere Burg ergab. Dabei wurden - wohl im Zusammenhang mit einer Latrine an der ehemaligen Burgmauer - sehr viele Gegenstände gefunden, meist Keramik, wenig Glas und Metall.

Einige Scherben gehen vermutlich auf die Frühphase der Anlage in romanischer Zeit zurück und sind weit älter als die erste Erwähnung der Unteren Burg aus dem Jahr 1326. Die Mehrzahl der Funde stammt jedoch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und damit aus der Zeit nach der 1444 berichteten Zerstörung der Burg - sie wurde offensichtlich auch nach diesem Datum noch genutzt.

Aus der Grabung an der Unteren Burg


G 10

Schweinberg, Boxberg, Wertheim

Die Familie derer von Schweinberg zählte offensichtlich zu den edelfreien - schon früh adligen - Geschlechtern der Gegend.

Darauf deuten die frühe Erwähnung - sicher 1137, vielleicht schon im 11. Jahrhundert - aber auch der Kreis der engeren Verwandtschaft: die Edelfreien von Boxberg, von Krautheim, von Dürn und möglicherweise die Grafen von Wertheim.

Allerdings kennen wir nur zwei - oder drei - Angehörige dieser Familie, denn der letzte von Schweinberg - Kraft II. - starb im Gefolge des Stauferkaisers Friedrich Barbarossa 1168 in Italien. Die Schweinberger Burg, die wohl in dieser Zeit ausgebaut wurde, fiel an seinen Schwager, Konrad von Boxberg.

Andere Teile der Schweinberger Herrschaft gehen an die Edelfreien von Dürn und die Grafen Wertheim. Alle wichtigen Adelsfamilien der Region waren vielfach miteinander versippt und verschwägert, was Erbstreitigkeiten und Herrschaftsansprüche nicht einfacher machte.

Der Stammsitz der Edelfreien von Schweinberg - dessen Reste heute noch stehen - fiel so auf Umwegen schließlich an die Grafen von Wertheim und blieb damit möglicherweise "in der Familie", da einige Forscher die Meinung vertreten, daß die Grafen von Wertheim aus der Schweinberger Familie stammten.

Mit dieser Burg waren - neben Herrschafts- und Besitzansprüchen - vor allem Amt und Würden des Erbkämmerers des Herzogtums Franken verknüpft. Deshalb betrachtete sich der Bischof von Würzburg auch als Lehensherr der mit Schweinberg verbundenen Besitzungen.

Exponattexte

G 10.2

Urkunde des Bischofs Embricho von Würzburg; 5. Mai 1137

In der Zeugenreihe dieser Urkunde werden erstmals Wolfram und Kraft von Schweinberg - Wolframus et frater eius Craift de Swenenburg - genannt.
(Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Bamberger Urkunde 203/I)

G 10.3

Urkunde König Konrads III.; 1144

Unter den Zeugen dieser Urkunde erscheinen Graf Wolfram (von Wertheim) und direkt nach ihm Kraft von Schweinberg - aus diesem Grund wurde schon mehrfach vermutet, daß die Familie der Grafen von Wertheim aus der Familie der Herren von Schweinberg hervorgegangen sei.
(Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, GA 23 II/1)

G 10.5

Kapitell der Stützsäule eines gekuppelten Fensters; spätromanisch, Ende 12. Jahrhundert

Teile aus der Schweinberger Burg wie dieses kunstvolle Kapitell oder das Gesimsornament auf der Rückseite zeigen, daß die Erbauer der Burg vor 800 Jahren zu den großen und reichen Herren zählten.
Dennoch war dieses Fenster zur Zeit der Erbauung des Palas der Schweinberger Burg nicht verglast, so daß bei schlechter Witterung und im Winter die Öffnung durch einen Fensterladen verschlossen werden mußte.


G 11

Schlösser und Burgen

Über Jahrhunderte hinweg waren Schlösser und Burgen der Adligen nicht nur Befestigungen zur Verteidigung. Sie waren auch Symbol der Herrschaft des Herren über seine bäuerlichen Untertanen.

In Hardheim selbst gibt es heute noch außer dem Schloß den Turm einer zweiten Burg, die möglicherweise schon im 11. Jahrhundert entstanden ist. Diese Untere Burg war im 14. Jahrhundert ein Würzburg-Wertheimer Lehen in der Hand der Herren von Hardheim.

Als der Würzburger Bischof im 15. Jahrhundert versucht, seine alten Lehen wieder in die Hand zu bekommen, wird die Burg in einer Fehde "zerstört" (1444); allerdings kann sie nicht vollständig zerstört worden sein, da sie auch danach noch bewohnt wurde. 1447 kauft der Bischof dann die Burg; wann sie endgültig zerstört wurde ist nicht bekannt.

Von der zweiten Burg in Hardheim - die "Obere Burg" des 14. Jahrhunderts - kennen wir nur noch den Standort: sie wurde wohl im 16. Jahrhundert abgetragen und durch das heutige Schloß ersetzt.

Der heute noch genutzte Schloßbau von 1561 sollte wohl vor allem den Aufstieg der Herren von Hardheim in die Ritterschaft dokumentieren - allerdings starb schon wenige Jahrzehnte danach der letzte Ritter von Hardheim, der Schloßbau war dann nur noch Verwaltungsgebäude, im letzten Jahrhundert Schule und ist inzwischen Rathaus der Gemeinde Hardheim.

Die dritte Burg auf Gemeindegebiet - in Schweinberg - dürfte die älteste und im hohen Mittelalter auch die bedeutendste gewesen sein. Sie geht ebenfalls ins 11. Jahrhundert zurück und ist als Sitz eines edelfreien Geschlechtes von großer Bedeutung. Sie scheint in staufischer Zeit noch einmal ausgebaut worden zu sein, war später Amtssitz von Wertheimer Ministerialen - die sich dann auch von Schweinberg nannten -, wurde 1437 zerstört und wieder aufgebaut. Im 17. Jahrhundert wird sie als baufällig bezeichnet.

Exponattexte

G 11.1

Wappen der Herren von Hardheim; erste Hälfte des 16. Jahrhunderts

Eine der wohl ältesten erhaltenen Darstellungen des Wappens der Herren von Hardheim - ein weißer Turm in rotem Schild - findet sich auf einem Wirtschaftsgebäude in Schloß Domeneck bei Züttlingen an der Jagst, das 1534 an die Herren von Hardheim kam.

Kapitell aus Burg Schweinberg

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