G 8Streit um Hardheim
Die Jahrhunderte des
hohen Mittelalters bis zur frühen Neuzeit hin waren im Erfatal geprägt durch die
Herrschaftskonkurrenz verschiedener Hoch- und Niederadelsgeschlechter und der Bistümer
Mainz und Würzburg.
Die unklaren Herrschaftsverhältnisse in Hardheim haben verschiedene Ursachen; am
wichtigsten ist dabei wohl, daß es im Land zwischen Neckar, Main und Tauber kaum
Reichsgut gab, also kein Land, das dem König direkt "gehörte".
Dafür gab es viele "Edelfreie", Adlige mit oft großem Grundbesitz. Auf diesem
Grundbesitz war der Eigentümer auch Herr und übte alle herrschaftlichen Rechte - z.B.
die Gerichtsbarkeit - aus. Zu diesen Edelfreien zählten im Bauland vor allem die
Edelfreien von Dürn, wohl aber auch die früh ausgestorbenen Herren von Schweinberg.
Zur Verwaltung all ihrer Rechte und Besitzungen setzten diese Edelfreien schon im 12.
Jahrhundert Dienstleute ein: Ministerialen. Zu den Ministerialen der Dürn gehörten auch
die 1197 erstmals erwähnten Herren von Hardheim.
Neben die weltlichen Herren tritt auch die Kirche in Konkurrenz um die Herrschaft über
Land und Leute. Dabei treffen im Bauland die Bischöfe von Mainz und Würzburg als direkte
Gegner aufeinander - nicht nur im Streit um die Ausdehnung der Diözesen, sondern auch um
die Vorherrschaft in diesem Raum.
Der Erzbischof von Mainz spielte als Reichskanzler und später als Kurfürst auch in der
Reichspolitik eine tragende Rolle; dem Bischof von Würzburg hatte der Stauferkaiser
Friedrich Barbarossa im Jahre 1168 den Titel eines Herzog von Franken verliehen und damit
das Bestreben der Bischöfe von Würzburg unterstützt, oberste Herren im Bereich ihrer
Diözese zu sein. |
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Exponattexte G 8.1
Die Lehenspyramide am Beispiel von Hardheim könnte in der zweiten Hälfte des 12.
Jahrhunderts so ausgesehen haben:
An der Spitze steht der Kaiser - hier Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152 - 1190; Wappen
Kaiser Heinrichs VI., 1190 - 1197).
Der Kaiser ist oberster Lehensherr beispielsweise des Bischofs von Würzburg (z.B. Bischof
Herold, 1168; Wappen des Bischofs Hermann (II.) von Lichtenberg, 1333 - 1335/Auswahl:
Johann von Brunn, 1411 - 1440), der vom Kaiser auch mit dem Titel eines Herzogs von
Franken belehnt wurde, und des Erzbischofs von Mainz (z.B. Christian von Buch, + 1183;
Wappen des Erzbischofs G. F. v.Greiffenclau-Vollraths von Mainz).
Darunter stehen als Kron- und teilweise als Aftervasallen verschiedene fränkische
Edelfreie - hier als Beispiele Kraft von Schweinberg (1168), Rupert von Dürn (1197;
Wappen des Boppo von Dürn, 1313) und Wolfram, Graf von Wertheim (+ 1157; Wappen von
1210/20).
Auf der nächsten Stufe stehen Ministeriale (ursprünglich unfreie Dienstleute), die in
den Niederadel aufsteigen - z.B. Aplo von Rosenberg (+ 1178; Wappen Eberhard von Rosenberg
1327), Heinrich von Hardheim (1197) und Eberhard von Berlichingen (1212).
Die Basis der Pyramide und damit des mittelalterlichen Gesellschaftsaufbaus bilden die
bäuerlichen Hintersassen: mehr als 90 % der Bevölkerung sind abhängig von mehreren
Herren und häufig unfrei.
G 8.3
Halsgeige; 18. Jahrhundert
Die Halsgeige ist ein Teil des Prangers - mit ihr wurde ein Verurteilter an einem
öffentlichen Platz angekettet, in Hardheim auf dem Schloßplatz. Der dazugehörige Stein
ist noch heute an der nordwestlichen Ecke des Museumsgebäudes, neben dem alten
Ortskerker, zu sehen.
Der Pranger entsprach als Strafe dem mittelalterlichen Rechtsempfinden: der öffentlich
ausgestellte Verbrecher war der Rache aller ausgesetzt. |