Erfatal-Museum Hardheim
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Jüdisches Leben in Hardheim

13. April - 8. Juni 1997

97-leuchter.jpg (5087 Byte)

 

 

Religiöses Leben in Hardheim Das religiöse Leben

Das rituelle Bad

Sabbatbräuche

Brit Mila und Bar Mizwa

Der jüdische Friedhof in Hardheim

Auf dem jüdischen Friedhof

Bestattungsbräuche


Religiöses Leben in Hardheim

Tafel 2.1

Das religiöse Leben

"Das jüdische Leben ist nicht so einfach, und es gibt so vieles, was ein Nichtjude ohne weiteres tun darf, was uns aber verboten ist. Unsere Gemeinde war gut geführt, die Brüder und Schwestern bewahrten ihrem Glauben Treue und beobachteten streng die überlieferten Gebote und Vorschriften. Sabbate und Feiertage wurden gehalten, und auch die rituelle Küche wurde gewissenhaft geführt." (Willi Wertheimer)

Das Leben der jüdischen Gemeinden am Anfang des 20. Jahrhunderts war - insbesondere auf dem Land - geprägt von der strengen Einhaltung der religiösen Bräuche. Täglich morgens und abends besuchten die Männer ab dem 13. Lebensjahr (d.h. nach der Bar Mizwa) den Gottesdienst in der Synagoge. Die Frauen durften nur an Feiertagen an den Gottesdiensten in der Synagoge teilnehmen. Der Gemeindegottesdienst konnte nur abgehalten werden, wenn mindestens zehn männliche Beter anwesend waren (diese Mindestzahl heißt Minjan, nach 1. Mose 18,32).

Die jüdische Gemeinde in Hardheim war um die Jahrhundertwende nur noch eine kleine Mittelgemeinde. Aber trotz der Abwanderungen wurde das religiöse Leben in der Gemeinde weitergeführt:

"Solange noch zehn männliche Personen zur Gemeinde gehörten, konnte der tägliche G’ttesdienst nach Gesetz und Vorschrift abgehalten werden. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Abhaltung der G’ttesdienste infolge Rückgang der jüdischen Gemeinde Hardheims gefährdet. Nach der Machtübernahme des »Haman« hörte das jüdische Leben ganz auf und die Synagoge wurde verkauft." (Willi Wertheimer)

T 2.1c

Die Hardheimer Synagoge

Schon im 17. Jahrhundert wird in Hardheim eine Synagoge erwähnt, die an der Wende zum 18. Jahrhundert zu klein oder baufällig geworden zu sein scheint, als die jüdische Gemeinde 1707 die bischöfliche Genehmigung erhält, die alte "Judenschul" erweitern zu dürfen.

Die Synagoge, wie sie vielen Hardheimern noch in Erinnerung ist, wurde im Jahr 1805 erbaut; das Gebäude wurde nach der Zerstörung des Betsaals 1938 durch die jüdische Gemeinde verkauft. Willi Wertheimer erinnert sich: "Die Synagoge bildete einen dreistöckigen Bau. Im ersten Stock befand sich das Schulzimmer, im zweiten der Betraum für Männer und ein kleiner, von diesem durch ein Holzgitter abgetrennter Raum für Frauen. Im dritten Stock gab es einen weiteren Betraum. Diese Synagoge stellte einen bescheidenen einfachen Bau, bar jeglichen Prunkes, dar. Auch die Inneneinrichtung war den Verhältnissen der jüdischen Bevölkerung angepaßt. Die Gebetpulte, die Sitzbänke, das Vorbeterpult und der Torarollenschrein waren älteren Datums. Ein einfacher Chanukkaleuchter und ein Lüster aus glitzerndem Kristall bildeten den einzigen Schmuck des Betsaals.

Zu den Feiertagen wurden vor dem Torarollenschrein, der Heiligen Lade, seidene Vorhänge aufgehängt, die mit jüdischen Emblemen bestickt waren. Die Kerzenhalter an den Wänden wichen später elektrischen Beleuchtungskörpern; deren Anschaffung sowie die eines zweiten Lüsters belasteten den Haushalt der Gemeinde sehr stark. Dieser zweite Lüster schwebte über dem Almenor, dem Pult für die Torarolle, für die Vorlesung der für bestimmte Tage fälligen Abschnitte. Neben der Heiligen Lade hing eine Wanduhr. Eine Tafel am Eingang zum Betsaal diente Bekanntmachungen und Ankündigungen der Gemeindeverwaltung. Ein zinnernes Becken an der linken Seite der zweiten Treppe diente den religiösen Waschungen."

(Willi Wertheimer)

 

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Tafel 2.2

Das rituelle Bad

Nach der biblischen Tradition ist zur Wiedererlangung der kultischen Reinheit aus verschiedenen Anlässen ein Tauchbad (Mikwe) vorgeschrieben: nach der Heilung von bestimmten Krankheiten, nach Berührung von Toten oder bei Frauen jeweils nach der Menstruation. Ebenso mußte der Hohepriester am Versöhnungstag (Jom Kippur) vor jeder seiner Amtsverrichtungen ein Tauchbad nehmen. Die Mikwe diente auch dem Eintauchen neuer Gefäße aus Glas und Metall vor ihrem Gebrauch.

Einige der Vorschriften für Frauen sind bis zur Gegenwart von Bedeutung: Monatlich einmal nach der Menstruation sowie vor der Hochzeitsnacht und nach einer Niederkunft soll die rituelle Reinigung in der Mikwe erfolgen.

Nach den Bestimmungen in dem Mischna-Traktat "Mikwaot" muß das Tauchbad in fließendem Wasser oder in Regenwasser, das in Gruben oder sonstigen Bodenvertiefungen gesammelt wird, vollzogen werden. Das Bassin darf nicht aus einem Stück bestehen - da es sonst als ein Gefäß betrachtet wird, in welchem ein rituelles Untertauchen nicht stattfinden darf -, sondern muß aus einzelnen zusammengefügten Steinplatten gebaut und am Boden befestigt oder in der Erde eingemauert sein.

In fast allen jüdischen Gemeinden - so auch in Hardheim - bestanden Mikwen, d.h. Badehäuser, zur Durchführung der rituellen Bäder. Daneben gab es in einigen Hardheimer Häusern auch "private" Bäder, so im Keller des früheren Hauses Urspringer in der Walldürner Straße sowie im Haus Selig, ebenfalls in der Walldürner Straße.

Das rituelle Bad

T 2.2a

Erlaß des Großherzoglichen Bezirksamts Walldürn; 16. November 1822

Im Rahmen der Gleichstellung der Juden in Baden kümmerte sich die Obrigkeit zunehmend auch darum, daß die religiösen Regeln und Bräuche nicht gegen staatliche Vorschriften und Gesetze verstießen. So war es ein Anliegen der badischen Regierung, daß die jüdischen Frauenbäder medizinischen und hygienischen Vorschriften entsprechend gestaltet wurden, wobei vor allem daran Anstoß genommen wurde, daß die rituelle Reinigung in fließendem Wasser stattzufinden hatte, dies im Winter jedoch als nicht der Gesundheit zuträglich eingestuft wurde.

Deshalb werden im obigen Schreiben "die israelitischen Vorsteher zu Walldürn und Hardheim" auf eine Verordnung "das nach religiösen Gesetzen gebotene Baden der israelitischen Weiber betr." hingewiesen, wonach sowohl "das Badzimmer gehörig gewärmt" als auch "innerhalb eines Jahrs ein warmes Bad eingerichtet werden soll."

(GA Hardheim I A 172)

T 2.2b

Erinnerungen an das Hardheimer Frauenbad

"Ursprünglich war das alte Judenbad am ehemaligen Haus Fieger angebaut; es war 2stöckig mit Vorder- und Hintertüre. Nur Frau Sinsheimer, Frau Strauß und Frau Rosenthal kamen noch zum Baden. Eine andere Frau kam etwa 3 Stunden vor der Badezeit zum Anheizen.

Das Bad befand sich im Fußboden, steingemauert, etwa sechs Treppen führten nach unten, an der zweitletzten Stufe kam kaltes Wasser (wie man sagte zum Abwaschen der Sünden), der Wasserkessel faßte ca. 200-300 Liter. Die Badende hatte immer eine Begleitperson, die nicht badete, sie wartete in der leeren Vorstube."

(Aus den Erinnerungen einer Hardheimerin)

T 2.2c

Das Hardheimer Frauenbad befand sich ursprünglich auf dem Gelände der früheren Mittelmühle - auf dem Foto das zweistöckige Haus rechts. Das Gebäude wurde 1927 von der Firma Eirich erworben, die dafür ein neues Bad in der Holzgasse erbaute.

 

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Vitrine 2

V 2.1

Tefilin

Die Tefilin - Gebetsriemen - wurden beim Morgengebet um den Kopf und den linken Arm geschlungen; die Kästchen enthalten Pergamentstreifen mit Tora-Abschnitten. Das Kästchen auf der Stirn trägt dabei den hebräischen Buchstaben Schin (V), der Kopfriemen ist in Form des Buchstabens Dalet (B) und der Riemen über dem linken Arm in Form des Jod (W) gebunden, so daß das Wort Schaddaj - "der Allmächtige" - gebildet wird.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 2.2

Pessach-Haggada; 1926

Die "Oster-Erzählung" enthält die Liturgie der häuslichen Pessach-Feier; dieses Buch stammt aus dem Besitz von Siegbert Zwang aus Sennfeld, einem Bekannten von Willi Wertheimer.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 2.3

Talit; 1935

Der Gebetsmantel, bestehend aus einem viereckigen Tuch mit Fransen, die an den vier Ecken länger sind, wird beim Gemeindegebet in der Synagoge getragen. Diesen Gebetsmantel erhielt der frühere Sennfelder Warren Hirsch bei seiner Bar-Mizwa.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 2.4

Mesusa

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 2.5

Mesusa; 19. Jahrhundert

Das hebräische Wort Mesusa - "Pfosten" - bezeichnet eine Kapsel, die am rechten Türpfosten befestigt wurde und eine kleine Pergamentrolle mit Texten aus der Tora enthielt. Beim Ein- oder Austritt durch die Tür wurde die Kapsel berührt.

Die Kapsel zeigt entweder in einem Sichtfenster oder als Schmuck den Buchstaben Schin (V), der für den Namen Gottes steht.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 2.6

Schofar

Der Schofar besteht aus einem Widderhorn, das als Blasinstrument verwendet und am Neujahrsfest sowie am Schluß des Versöhnungstages (Jom Kippur) geblasen wird.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 2.7

Kippa

Dieses Gebetskäppchen stammt aus dem Besitz von Willi Wertheimer.

(Leihgabe der Judaica-Bibliothek im Jugenddorf Seckach Klinge / Pfarrer H. Duffner)


Vitrine 3

V 3.1

Israelitisches Trauungs-, Geburts- und Sterbebuch; 1826

Im 19. Jahrhundert - bis zur Einführung des Standesamts - wurden die Standesangelegenheiten der jüdischen Gemeinde in diesem Buch festgehalten, das heute eine wertvolle Quelle für die jüdische Familiengeschichte darstellt.

(Leihgabe Katholisches Pfarrarchiv Hardheim)

V 3.2

Blätter eines hebräischen Messekalenders

In den weltlichen Bereich gehört dieses Dokument - da bis in unser Jahrhundert hinein der Handel eine der wichtigsten Einnahmequellen der Juden geblieben ist, gab es Zusammenstellungen von Messen und Jahrmärkten auf hebräisch.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 3.3

Teile von Gebetbüchern

Es war Brauch, ausgediente religiöse Schriften nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie in der Genisah aufzubewahren - einem Ort in der Synagoge, oft unter den Holzbohlen des Dachbodens. Die hier gezeigten Stücke wurden in der früheren Synagoge in Sennfeld gefunden.

(Leihgabe der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Sennfeld; Reinhart Lochmann)

V 3.4

Gebetbuch

Aus dem Besitz von Willi Wertheimer stammt dieses Gebetbuch.

V 3.5

Gebetbuch

(Leihgabe der Judaica-Bibliothek im Jugenddorf Seckach Klinge / Pfarrer H. Duffner)

V 3.6

Dr. Isak Unna: Rabbi Elia. Der Gaon von Wilna und seine Zeit; 1926

Dieses Büchlein fand sich auf einem Hardheimer Dachboden und stammt mit Sicherheit aus dem Besitz eines jüdischen Hardheimers. Die Biographie eines baltischen Rabbiners, der im 18. Jahrhundert lebte und wirkte, wurde von Dr. Isak Unna verfaßt, in den zwanziger Jahren Rabbiner in Mannheim, und gelangte als Jahresgabe an die Mitglieder des "Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden" im Jahr 1926 nach Hardheim.


Vitrine 4

V 4.1

"Ester-Rolle", wohl aus dem Bestand der jüdischen Gemeinde Hardheim

"Im Mittelpunkt des Purimfestes am Winterende standen die Verlesung seiner Urgeschichte in der Synagoge aus der sogenannten Ester-Rolle und die Festmahlzeit im Familienkreise. Aber fröhlich wurde es dann, wenn wir uns maskierten und an jüdischen Häusern betteln durften. Das war ein Tag der Ausgelassenheit für uns sonst so brave Kinder. Das war unsere Fastnacht, wir Buben verkleideten uns als Mädchen und die Mädchen als Buben. Oft trugen wir aber auch Masken und stellten alles mögliche dar, sogar oft den Teufel." (Willi Wertheimer)

Das Buch Ester steht im dritten Teil der hebräischen Bibel und wird wie Kohelet den "Fünf Festrollen" zugeordnet. Die novellenartige Erzählung, deren Entstehungszeit vermutlich um 300 v.Chr. anzusetzen ist, erklärt die Entstehung des jüdischen Purimfestes: Ester, die jüdische Gemahlin des Perserkönigs Ahasveros (Xerxes), rettet mit ihrem Pfleger Mordechai die persischen Juden vor dem Anschlag des Großwesirs Haman. Der Tag der geplanten Vernichtung der Juden im Perserreich war durch das Los (pûr) schon auf den 13. Adar (Februar/März) festgesetzt. Ester erwirkt während eines Festmahls beim König den Sturz Hamans und die Rettung der persischen Juden. Daraufhin wird der 14. Adar zum Festtag erklärt (Purimfest, abgeleitet von pûr).

In der Synagoge wird das Buch Ester zweimal verlesen - am Vorabend des Festes und am Morgen. Bei jedem Vorkommen des Namens Haman - er gilt als Inbegriff des Antisemiten - wird gelärmt: man stampft mit den Füßen auf, die Kinder drehen Ratschen.

Purim ist ein profanes, weltliches und fröhliches Fest. Das Festmahl spielt auch in der Estererzählung eine große Rolle. Nicht zuletzt soll man reichlich trinken - ein berühmter und immer wieder zitierter talmudischer Satz lautet: "Ein Mensch ist verpflichtet, sich am Purimfest anzuheitern, bis er nicht mehr zu unterscheiden weiß zwischen »Verflucht sei Haman!« und »Verflucht sei Mordechai!«"

Ester-Rolle

V 4.2

Kohelet-Schriftrolle

Das Buch Kohelet (griech. Ecclesiastes; dt. Prediger) zählt neben dem Buch Ester zu den "Fünf Festrollen" in den hagiographischen Büchern der Bibel und wird am Laubhüttenfest vorgelesen. Der Verfasser, der sich selbst Kohelet nennt (ZLUN), ist uns nicht bekannt; das Buch Kohelet dürfte jedoch um die Mitte des 3. Jahrhunderts v.Chr. entstanden sein.

Die Sprache ist ein ganz neuartiges Hebräisch, in dem einerseits die aramäische Alltagssprache, andererseits unter dem Einfluß des Hellenismus schon manches griechische Wort- und Satzmuster seinen Niederschlag findet.

Kohelet enthält Betrachtungen über die Unbeständigkeit alles Irdischen: Angesichts des sicher kommenden Todes erweist sich alles als "Windhauch". Die Weisung für die rechte Lebensführung ist geleitet von der Mahnung, in Gottesfurcht die Gabe des jeweiligen Augenblicks zu ergreifen: Jede Freude zu genießen und überall da, wo es sich anbietet, tatkräftig zu handeln. Denn jedes "Jetzt" ist die dem Menschen gegebene Zeit. Er soll nie vergessen, daß er auf Alter und Tod zugeht.

Eine Besonderheit dieser Schriftrolle wie anderer religiöser Texte sind die "Tagin" - drei feine Linien an der oberen linken Ecke von bestimmten Buchstaben wie z.B. dem Zeichen C (bei insgesamt sieben der 22 hebräischen Buchstaben). Die Tagin unterstreichen die mystische Bedeutung eines Textes insofern, als jeder zusätzliche Strich und jedes zusätzliche Zeichen zusammen mit den Buchstaben und Wörtern der Tora als aufschlußreiches Symbol der außerordentlichen Geheimnisse des Universums und der Schöpfung gelten.


Vitrine 5

V 5.1

Orgelpfeifen der Synagoge in Karlsruhe, Kronenstraße; 1875

Orgeln finden sich in Synagogen erst seit dem 19. Jahrhundert, nur in liberalen Gemeinden und meist in den Städten; die Synagoge in Hardheim hatte keine Orgel. Diese Orgelpfeifen stammen aus der 1872-1875 erbauten Karlsruher Synagoge, die 1938 zerstört wurde.

Die Orgel war 1875 durch die Orgelbaufirma H. Voit & Söhne aus Karlsruhe-Durlach erbaut worden; sie muß vor dem Abbruch der Synagoge nach der "Reichskristallnacht" abgebaut worden sein, denn die Orgelpfeifen gelangten auf bislang unbekanntem Weg in die katholische Kirche in Karlsruhe-Rüppurr, wo sie bei einem Orgelneubau durch die Firma Vleugels entdeckt wurden und nach Hardheim kamen.

(Leihgabe der Firma Orgelbau-Vleugels, Hardheim)

V 5.2

Stein aus der ehemaligen Hardheimer Synagoge; 1805

Dieser Stein war im Erdgeschoß der früheren Synagoge in der Inselgasse an einer Tür eingemauert, die zur Remise für den Leichenwagen der jüdischen Gemeinde führte; für welchen Zweck der Raum ursprünglich eingerichtet war, ist unbekannt.

V 5.3

Chanukka-Leuchter

V 5.4

Kleiderbügel

Nur noch wenige Zeugnisse berichten von der Rolle der Hardheimer Juden in Handel und Gewerbe - wie dieser Kleiderbügel des früheren Textilhauses Urspringer in der Walldürner Straße. Das Geschäft wurde 1938 an einen Kaufmann aus Bretzingen verkauft.

Vitrine 5


Tafel 2.3

Sabbatbräuche

"Der Freitagabend bildete einen der Höhepunkte im jüdischen Familienleben. Auf dem mit blütenweißen Linnen gedeckten Tisch stehen zwei in silbernen Leuchtern brennende Kerzen. Auf dem Platz des Hausherren befinden sich zwei Weißbrote besonderer Art, Challoth oder Barches genannt, die mit einer eigens für diesen Zweck gestickten Decke verhüllt sind, neben ihnen ein silberner Becher mit Wein gefüllt. Nachdem beide Eltern ihren Kindern einzeln den Segen erteilt haben, spricht der Vater über dem Wein den Schabbathweihespruch, Kiddusch genannt, und nach vorschriftsmäßiger Händewaschung und zwei weiteren Segenssprüchen wird das Brot angeschnitten, kleine Stücke mit etwas Salz bestreut werden unter die Anwesenden verteilt. Es folgt die Mahlzeit, deren einzelne Gänge durch Schabbathgesänge unterbrochen werden. Das (teilweise) gesungene Tischgebet beschließt die häusliche Freitagabendfeier." (Willi Wertheimer)

Der jüdische Wochenfeiertag beginnt am Freitag etwa 45 Minuten vor Sonnenuntergang und endet am Samstag etwa 15 Minuten nach Sonnenuntergang. Am Freitag abend gehen die Männer in Festtagskleidung zu einem kurzen Gottesdienst in die Synagoge. Danach folgt das Sabbatessen zuhause im Kreis der Familie; das Sabbatbrot - die Barches - wurde in Hardheim jahrzehntelang von der Bäckerei Bödigheimer geliefert.

Am Sabbatmorgen findet ein langer Gottesdienst statt. Den Rest des Tages verbringt die Familie mit Ausruhen, bevor die männlichen Mitglieder der Familie am Abend nochmals zum Beten in die Synagoge gehen. Nach dem Sabbatgebot ruht am Samstag jegliche Arbeit, auch Kochen und Backen sind verboten. Das Essen für den Sabbat wurde oft schon am Freitag vorbereitet und warm gestellt.

T 2.3a

Jüdische Feiertage

Im Jahreslauf werden drei Wallfahrtsfeste gefeiert:

Das Pessachfest im Frühjahr ist das Fest der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft.

"Das Pessachfest erinnert uns an den Auszug aus Ägypten, aus der Sklaverei. Acht Tage darf nach dem Gesetz nur ungesäuertes Brot gegessen werden. Dieses Brot, Mazzo genannt, buk die Bäckerei Hahn in Külsheim. (...) Der Höhepunkt des Festes ist der Vorabend, der Sederabend, mit seiner geheimnisvollen Feierlichkeit und mit seinen uralten lithurgischen Gesängen." (Willi Wertheimer)

An Schawuot oder dem Wochenfest sieben Wochen nach Pessach wird die Offenbarung am Sinai, die Übergabe der Zehn Gebote und der Tora durch Gott an Moses gefeiert.

Sukkot - das Laubhüttenfest im Herbst - wird begangen zur Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung der Israeliten.

Zu den hohen Festtagen gehören Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest, das im Herbst gefeiert wird, und im Anschluß an Neujahr die "Zehn Tage der Umkehr" mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur als Höhepunkt.

Darüber hinaus gibt es zwei fröhliche Feste: das Chanukkafest oder Lichtfest, um die Zeit der Wintersonnenwende, und Purim, das Fest der Lose, basierend auf der biblischen Estergeschichte.

"Das Chanukkafest dauerte acht Tage und hat als Sinn die Reinigung des Tempels, nachdem dieser in der Makkabäerzeit von den Feinden entweiht wurde. Es fand sich nur ein kleiner Rest geweihtes Öl, für einen Tag, und das neue Öl brauchte acht Tage, bis es geweiht war. Man zündete trotzdem den Leuchter an, und es geschah das Wunder, daß dieser kleine Rest acht volle Tage brannte. Darum heißt das Fest auch Lichtfest oder Makkabäerfest."

T 2.3b

Willi Wertheimer beim Bau der Laubhütte für das Sukkot-Fest im Jahr 1925, hinter der Synagoge in Buchen.

"Die Laubhütten schmückten wir sehr schön aus Papiergirlanden und Ketten von Hagebutten, zwischen jeder Hagebutte ein farbiges Papier, sie hingen in kleinen Bogen von der Decke. Der süßliche Duft der Hagebutten erfüllte die Sukkah. Silberne und goldene Glaskugeln, Figuren in verschiedenen Farben, angebunden an dünnen Schnüren, schwebten am Laubdach, auch einzelne Früchte wie Äpfel, Birnen, Trauben und Zwetschgen waren an ihm aufgehängt. In der Mitte hing ein Mogen David (Davidstern) aus Holz, überzogen mit Stanniolpapier. (...) Ein Tisch mit Bänken und Stühlen machte die Hütte wohnlich. Über dem Laubdach befand sich vielfach ein solides Dach, das aufziehbar war und nur bei Regenwetter zugezogen wurde. (...). Durch das Wohnen in der Laubhütte bringen wir alljährlich der Vorsehung symbolisch zum Ausdruck, daß sie unsere in ihrem 40jährigen Wüstenleben in Zelten wohnenden Vorfahren vor allen Unbilden geschützt hat."

(Willi Wertheimer)

T 2.3c

Schabbath in Hardheim

"Freud und Leid trugen die Angehörigen der jüdischen Gemeinden, besonders der kleineren, miteinander. Der Schabbath und die anderen Feste waren Tage des Ausruhens und für die Kundigen Tage des Torastudiums. Auch besuchte man sich gegenseitig und machte kleinere Spaziergänge.

Ein großer Teil der Gemeinde suchte nach dem Schabbathmittagsg’ttesdienst den Biergarten von Schretzmann in der Schweinberger Straße oder den Deutschen Hof in der Miltenberger Straße auf. Zu den dort gereichten Getränken verzehrte man die verbotenerweise mitgebrachten Eßwaren; denn das Hinaustragen von Gegenständen aus einem Privatbezirk auf die Straße und umgekehrt ist religionsgesetzlich unzulässig. Deshalb trugen nichtjüdische Hausangestellte den Verzehr der Hardheimer, die die Vorschriften strenger beachteten, in die angegebenen Lokale. Aus gleichem Grund bezahlten sie die Getränke am Sonntag. Wir Kinder und Jugendlichen vertrieben uns die Zeit in den schattigen Gärten mit frohem Spiel, hüpften und tanzten herum, bis der Abend kam und man aufbrach. Die Frauen und wir gingen heim und die Männer in die Synagoge, auch »Schul« genannt.

In diesen Biergärten waren auch Kegelbahnen, und wir Jugendliche hatten es auf diese abgesehen, aber das Auge des Gesetzes wachte scharf. Kegeln war am Schabbath verboten, eine Übertretung dieses Gesetzes brachte uns unweigerlich eine Zurechtweisung der Eltern ein und am Sonntag im Religionsunterricht eine scharfe Verwarnung des Lehrers oder gar den spanischen Stock."

(Willi Wertheimer)

 

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Tafel 2.4

Brit Mila und Bar Mizwa

Brit Mila, die Beschneidung der Jungen, wird nach dem biblischen Gebot am achten Tag nach der Geburt vollzogen. Das Fest findet statt zur Erinnerung an Abraham, der seinen Sohn beschneiden ließ - als Dank dafür, daß ihm seine Frau noch so spät einen Sohn geboren hatte.

Die Beschneidung wird von einem Mohel durchgeführt, der speziell dafür ausgebildet ist. Brit Mila ist ein großes Familienfest.

Der Höhepunkt im Leben eines Jungen ist Bar Mizwa, das am Sabbat nach Vollendung seines 13. Lebensjahres gefeiert wird. Während dieser Feier wird er als Vollmitglied in die Synagogengemeinde aufgenommen.

Während des Gottesdienstes liest der Bar Mizwa ("Sohn der Pflicht") den Wochenabschnitt aus der Tora vor - eine Aufgabe, auf die er sich in den Monaten zuvor vorbereitet hat.

"An seinem 13. Geburtstag wurde jeder Knabe unter der Verpflichtung, die Reiligionsgesetze zu beachten, als gleichwertiges Mitglied in die jüdische Gemeinde aufgenommen. Diesem Tag ging eine monatelange Unterweisung in der Ausübung des jüdischen Gesetzes voraus. Gleichfalls wurde er in der kantilenengerechten Verlesung einer oder mehrerer Abschnitte der an dem seinem Geburtstag folgenden Schabbath fälligen Perikope vorbereitet. Dieses im Leben des jungen Menschen einschneidende Ereignis, Bar Mizwa genannt, wurde von der Familie und Gemeinde gebührend gefeiert, da er nun als ein Garant für den Fortbestand betrachtet wurde. Zu Hause waren schon Tische gedeckt mit Gebäck, Konfekt, Obst und Likör, und man erwartete die Männer und Frauen der Gemeinde, die dem jungen Mann gratulieren wollten. Man lobte seinen schönen Gesangsvortrag und es wurden Geschenke überreicht." (Willi Wertheimer)

T 2.4a

Holegrasch

"Ganz besondere Festtage waren für Kinder und Heranwachsende die Namensgebung eines Kindes, »Holegrasch« genannt. Etwa vier Wochen nach der Geburt, wenn die Mutter des Kindes in die Synagoge ging und der glückliche Vater vom Vorbeter ein Dankgebet sprechen ließ, fand dann im Hause dieser Familie eine Festlichkeit statt. Eine große Schar Kinder kam da in diesem Haus zusammen, alle miteinander hoben sie das Körbchen oder das Kinderwägelchen mit dem neuen Erdenbürger auf und riefen gemeinsam: »Holegrasch, wie soll’s Bobele heißen?«

Darauf wurde der Name genannt, und der meist auch anwesende Lehrer sprach vorher und nachher einen Segensspruch. Dann kam der Höhepunkt für uns Kinder. Wir erhielten die ersehnte Tüte mit Konfekt, Obst, mit Nüssen und anderen Leckerbissen."

(Willi Wertheimer)

T 2.4b

Die Rolle der Frauen

Die Frauen nahmen eine besondere Stellung innerhalb der Gemeinde ein; sie durften nur an Feiertagen in die Synagoge und mußten dort im abgeschrankten Teil Platz nehmen. Für sie gelten auch die Vorschriften der rituellen Waschungen - früher wurde ein Mädchen am Tag vor ihrer Hochzeit durch ihre erste Teilnahme am rituellen Bad zur Frau erklärt.

"Da von alters her der jüdischen Frau die Sorge um den rituellen Haushalt und die Erziehung ihrer Kinder oblag, ist sie von einer ganzen Reihe von Geboten dispensiert, zu deren Beobachtung lediglich der Mann verpflichtet ist. Den Tugenden der Frau hat König Salomo einen besonderen Abschnitt in seinem Spruchbuch gewidmet. Dieses Preislied zitiert der jüdische Mann am Freitag abend nach seiner Rückkehr vom Schabbath-Eingangsg’ttesdienst deklamierend oder singend bei gedecktem Tisch und versammelter Familie."

(Willi Wertheimer)

 

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Tafel 2.5

Der jüdische Friedhof in Hardheim

Auch in kleineren jüdischen Gemeinden wuchs im Laufe des 19. Jahrhunderts das Bedürfnis nach einem eigenen Friedhof. Die Hardheimer hatten bislang ihre Toten in Külsheim beigesetzt. Im Dezember 1875 kaufte die jüdische Gemeinde auf Initiative des Synagogenrates Grund und Boden für einen eigenen Friedhof, der am 27. Juni 1876 in Verbindung mit der ersten Beerdigung (Schemaia Billigheimer, Grab Nr. 7) durch Bezirksrabiner Esslinger aus Merchingen eingeweiht wurde. Der Bürgermeister übergab den Schlüssel und hielt eine kurze Ansprache. Die jüdische Gemeinde hatte in dieser Zeit mit 158 Personen ihre höchste Mitgliederzahl erreicht.

Der israelitische Friedhof von Hardheim liegt, wie damals allgemein üblich, abseits vom Ort auf einem landwirtschaftlich nicht zu nutzenden Gelände am Waldrand. Das von einer Hecke umgebene, wiesenbewachsene Gelände hat eine Größe von 8,54 Ar. Die Anzahl der Grabsteine beträgt 93. Ein Weg trennt das belegte Feld von einem fast unbelegten. Die Steine sind in Reihen angeordnet, einige haben eine Einfassung. Insgesamt handelt es sich um einen einfachen Friedhof des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit vorwiegend Sandsteinstelen.

Einige Grabplatten fehlen, der Sandstein ist zum Teil verwittert. Die neueren Granitstelen sind dagegen sehr gut erhalten. Sehr viele Steine sind durch Friese, Palmetten, Blüten, Zweige und ähnlichem geschmückt. An Symbolik finden sich der nach unten hängende Blumenstrauß, ineinandergelegte Hände, die Levitenkanne, die gebrochene Säule, der Davidstern und Mohnkapseln.

Die letzte Beerdigung vor der Verschleppung und Ermordung der Juden fand am 29. Januar 1939 (Grab Nr. 16) statt.

T 2.5a

Gesamtansicht und Detailaufnahmen vom jüdischen Friedhof in Hardheim

Unter den 93 Gräbern befinden sich auch die Gräber von für die jüdische Gemeinde wichtigen Persönlichkeiten wie das des Lehrers Jehuda Eschelbacher, des Lehrers, Vorbeters und Mohels Josef Urspringer sowie des Lehrers Emanuel Wertheimer.

Als Herkunftsorte der Bestatteten werden außer Hardheim noch Wachbach, Gissigheim, Zeckendorf/Bayern, Hainstadt und Sulzburg genannt. Die Gräber sind, im Gegensatz zu den christlichen, nicht für eine begrenzte Dauer, sondern für die Ewigkeit angelegt und dürfen daher nicht aufgelöst oder neu belegt werden. Der israelitische Landesverband als Rechtsnachfolger der früheren jüdischen Gemeinde sorgt in Zusammenarbeit mit der Kommune für die Pflege und Sicherung des Friedhofes nach jüdischer Tradition. Die größten Zerstörungen entstanden - abgesehen von Schändungen - durch Witterungseinflüsse.

 

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Tafel 2.6

Auf dem jüdischen Friedhof

Der Hardheimer Judenfriedhof besteht aus drei Feldern. Das linke ist noch unbenutzt, in der Mitte liegt das eigentliche Gräberfeld, rechts sind vier einzelne Kindergräber verstreut angelegt.

In der äußersten rechten oberen Ecke befindet sich das Grab von Ida Wertheimer, die als Wöchnerin starb, deshalb nach jüdischer Auffassung unrein war und abseits beerdigt werden mußte.

Tafeln und Inschriften der Gräber Nr. 9, 29, 40, 56 und 90 fehlen. Die Namen der dort Beigesetzten konnten anhand der Sterbedaten und Sterberegister rekonstruiert werden.

Willi Wertheimer zufolge sollen noch zwei Kinder - Frieda Wertheimer, gestorben am 2. August 1901 im Alter von eindreiviertel Jahren, und Kurt Strauß - ohne Stein auf dem Friedhof begraben sein, was sich allerdings nicht nachweisen läßt.

Die letzte Beerdigung auf dem Hardheimer Judenfriedhof fand am 29. Januar 1939 (Grab Nr. 16 von David Berwanger) statt. Hitlerjugend und Jungvolk mußten auf Anordnung der Parteijugendführung zur Begräbnisfeier erscheinen und sich entlang des Friedhofes aufstellen, wie sich ältere Hardheimer erinnern. In Hardheim hat man sich später erzählt, daß David Berwanger ein Säckchen voller Steine mit ins Grab bekommen habe, um im Jenseits den Messias bewerfen zu können, da er den Juden nicht geholfen habe.

T 2.6b

Verzeichnis der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof von Hardheim

Nr. Name, Vorname Sterbedatum
1 Sinsheimer, Mayer (Meir) 21.09.1880
2 Halle, Helene (Hendel) 29.10.1879
3 Eschelbacher, Miriam 17.01.1878
4 Billigheimer, Rivka 12.11.1877
5 Halle, Pesle 06.05.1877
6 Urspringer, Rivka 11.03.1877
7 Billigheimer, Schemaia 25.06.1876
8 Strauß, Mosche 05.09.1901
9 Dilsheimer, geb. Halle, Ernestine 07.09.1901
10 Selig, Max (Mordechai) 21.09.1902
11 Wertheimer, Naftali 24.11.1902
12 Friedberger, Lazarus (Elieser) 27.02.1903
13 Billigheimer, Sara 14.06.1903
14 Straus, geb. Brunner, Regina 03.07.1904
15 Eschelbacher, Max 29.07.1936
16 Berwanger, David 29.01.1939
17 Straus, Abraham 18.02.1884
18 Straus, Mirjam (Sara Miriam) 03.02.1884
19 Sinsheimer, Jitle 10.12.1883
20 Straus, Simon 03.09.1883
21 Halle, Rosa 07.05.1883
22 Lacher, Auguste (Golde) 08.12.1882
23 Eschelbacher, Jehuda 27.05.1881
24 Eschelbacher, Falk (Joschua) 27.11.1880
25 Schwarzmann, Hanchen 29.04.1905
26 Strauß I, Isac Kaufmann 04.02.1906
27 Hanft, Sophie (Sprinz) 10.12.1906
28 Straus, Aron 19.01.1908
29 Strauss, geb. Dilsheimer, Rosa 24.03.1909
30 Eschelbacher, Helene (Chana) 14.05.1909
31 Halle, Zerline (Zerle) 01.05.1888
32 Urspringer, Ricka (Rivka) 16.01.1888
33 Urspringer, Josef 16.06.1887
34 Jentle, Gattin des Chaim Dow 15.07.1886
35 Strauss, Bernhard (Perez) 10.07.1886
36 Selig, Louis (Elieser) 26.06.1886
37 Straus, Karolina (Gitel) 02.03.1886
38 Strauss, Leopolt (Jehuda) 22.02.1885
39 Urspringer, Abraham 14.04.1910
40 Dilsheimer, Abraham 20.09.1910
41 Urspringer, geb. Löwenstein, Judith 24.07.1911
42 Loewenstein, Isak 11.04.1913
43 Sinsheimer, geb. Eschelbacher, Justina (Dina) 02.05.1913
44 Strauss, Isaak 18.08.1916
45 Lengfelder, geb. Ansbacher, Babette (Beile) 10.04.1893
46 Hanft, Lazarus (Elieser) 10.11.1892
47 Götz, Bertha (Berle) 02.05.1892
48 Sinsheimer, Adolf (Chaim Seew) 03.11.1891
49 Straus, Karolina (Keile) 01.03.1890
50 Sinsheimer, Jette (Jitle) 22.02.1890
51 Halle, Samuel 01.01.1890
52 Schwarzmann, Fany (Fromet) 16.09.1888
53 Selig, Hilda (Chulda) 01.07.1918
54 Selig, geb. Urspringer, Sophie (Sara) 10.12.1918
55 Billigheimer, Moses 17.06.1919
56 Eschelbacher, geb. Siegel, Zerline 01.09.1920
57 Eschelbacher, Emil (Mordechai) 08.12.1920
58 Strauss, Martha (Miriam) 01.02.1921
59 Sinsheimer, Joseph 07.05.1921
60 Straus, Karolina (Keile) 02.09.1896
61 Eschelbacher, Karolina (Gidel) 26.07.1896
62 Schwarzmann, Josef 11.05.1896
63 Schwarzmann, Abraham 30.11.1894
64 Hanft, Madel 11.09.1894
65 Sinsheimer, Elise (Ella) 02.01.1894
66 Urspringer, Hirsch (Mosche Zwi) 11.06.1893
67 Sinsheimer, Isak 11.02.1922
68 Urspringer, Elise (Ella) 03.04.1923
69 Sinsheimer, Abraham 12.01.1925
70 Schwarzmann, Moses 05.05.1925
71 Wertheimer, Emanuel (Menachem) 03.10.1926
72 Wertheimer, Anselm 31.03.1918
73 Wertheimer, Nany (Nendel) 22.08.1928
74 Hanft, Moses 25.12.1926
75 Wertheimer, Jana (Miriam) 24.08.1901
76 Strauss, Josef 08.05.1901
77 Halle, Gerson 18.01.1901
78 Rosenthal, Sara 14.06.1899
79 Sinsheimer, Julie (Nenle) 07.03.1899
80 Friedberger, Sophie (Zerle) 04.02.1899
81 Selig, Moses 23.09.1898
82 Strauss, Abraham 14.03.1927
83 Strauss, Berta (Beile) 31.05.1934
84 Strauss, Karolina (Keile) 23.12.1927
85 Sinsheimer, geb. Thalheimer, Babette (Beile) 19.02.1928
86 Strauss, geb. Dilsheimer, Frieda (Fradel) 26.09.1930
87 Hanft, geb. Berwanger, Jeanette 20.03.1932
88 Billigheimer, Julius 08.06.1935
89 Wertheimer, geb. Langfelder, Ida (Eidel) 01.04.1890
90 Wertheimer, Lazarus 18.04.1890
91 Urspringer, Herta 1907
92 Billigheimer, Leopold (Jehuda) 03.11.1878
93 Eschelbacher, Getti (Gitel) 04.07.1878

 

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Tafel 2.7

Bestattungsbräuche

"Der Verstorbene wurde nach jüdischem Brauch in einen einfachen Brettersarg gelegt, dieser auf eine Bahre gesetzt und mit einer schwarzen Decke verhüllt. Nun war es bis dahin üblich, daß vier starke Männer die Bahre den langen Weg durch die Schweinberger Straße am "Paradeis" vorbei und dann unweit der alten Külsheimer Straße, am Hang des Schmalbergs den Wald entlang, bis zu dem dort gelegenen jüdischen Friedhof trugen. Das war sehr beschwerlich. So entschloß man sich, dem Beispiel der christlichen Kirchengemeinde folgend, ebenfalls zur Anschaffung eines Leichenwagens. Der Friedhof in Hardheim wurde 1876 angelegt. Vorher wurden die Toten der jüdischen Gemeinde in Hardheim auf dem altehrwürdigen Friedhof in Külsheim beigesetzt. (...)

Starb ein Gemeindemitglied, so trauerte die ganze Gemeinde und erzeigte den Hinterbliebenen aufrichtige und innige Anteilnahme. Zum letzten Liebesdienst gehört das Waschen und Einkleiden der Verstorbenen. Diese Tätigkeit wurde in Hardheim wie in allen jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt ehrenhalber von den Mitgliedern der zu diesem Zweclse innerhalb der Gemeinde bestehenden Bruder- und Schwesternschaften ausgeübt. Sie stellten auch die Ehrenwache bis zur Beerdigung, die von der Bruderschaft vorgenommen wurde, bei der im Namen der Gemeinde ihr Rabbiner oder Lehrer Abschied von dem Heimgegangenen nahm. Für die Hinterbliebenen wurde der G’ttesdienst morgens und abends im Trauerhause während der folgenden sieben Trauertage abgehalten, in dessen Rahmen der Lehrer einen sinngemäßen Lehrvortrag für das Seelenheil der Toten hielt. Wie in vielen anderen jüdischen Gemeinden wurden wir Kinder vom Friedhof ferngehalten."

(Willi Wertheimer)

T 2.7a

Inschrift auf dem Grabstein von Emanuel Wertheimer

1) Siehe, der Gerechte hat ewigen Bestand (Proverbia 10,25).
2) Hier ist verborgen
3) unser Lehrer, der Raw,
4) der Chawer, Rabbi Menachem, Sohn des Naphtali, das Andenken des Gerechten sei zum Segen,
5) genannt Emanuel Wertheimer, Frucht eines schönen Baumes (Leviticus 23,40).
6) 50 Jahre diente er im Dienst des Heiligen zur Ehre und zum Ruhm,
7) und von diesen mehr als 40 Jahre in der heiligen Gemeinde Hardheim in all ihren Bedürfnissen:
8) im Gebet, in der Schechita, und er lehrte die Jungen der Herde und die Knaben und Mädchen,
9) er gab zu trinken von den Heilquellen (Jesaja 12,3) und legte [die Lehre] öffentlich aus; und vielen gab er zurück
10) Hilfe; und er führte die Versammlung seiner Gemeinde im Glauben; sein gepriesener Name ging [= war bekannt] im ganzen
11) Land. Die wahre Lehre war in seinem Mund und er hörte nicht auf zu lernen (bSchabbat 30b),
12) und er machte die Nacht zum Tage [= er arbeitete Tag und Nacht]. Gottesfurcht war sein Schatz und er nahm es genau
13) mit den Geboten und er setzte sein Vertrauen in Gott allein in allen Lebenslagen.Er war die Pracht
14) seiner Familie und wurde sehr geehrt in den Augen seiner Freunde; er liebte die Geschöpfe
15) und wurde von allen geliebt, die ihn kannten. Und er tat Gutes jedem Menschen. Und vor seiner Ehre kommt
16) Demut (Proverbia 15,12 und 18,33). Bitterlich klagt und weint und bejammert ihn, Verwandte und Ferne
17) wenn seine Seele aufsteigt in die Höhe in Heiligkeit und Reinheit am
18) 25. Tischri 687 nach der kleinen Zählung, im 73. Lebensjahr.
19) Und sie brachten ihn zur Ruhe in schwerer [= tiefer] Trauer und mit Hochachtung.
20) Sein Andenken möge nicht enden bis ans Ende der Geschlechter!
21) Seine Seele möge eingebunden sein im Bündel des Lebens.

Anmerkung zur Übertragung

Zitate sind kursiv gesetzt, in der Klammer folgt die Verweisstelle. Mit Ausnahme eines Zitates aus dem babylonischen Talmud (angegeben als b für babylonisch, Schabbat als Name des Buches und 30b als Blattnummer) stammen alle Zitate aus der Bibel.

 

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