Erfatal-Museum Hardheim
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Jüdisches Leben in Hardheim

13. April - 8. Juni 1997

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Am Anfang des 20. Jahrhunderts Der Erste Weltkrieg

Soldatenpost

In den zwanziger Jahren

 

 


Am Anfang des 20. Jahrhunderts

Tafel 4.5

Der Erste Weltkrieg

"Wir waren natürlich sehr stolz darauf, endlich die Uniform tragen und das Vaterland verteidigen zu dürfen, das wir doch so liebten. Wir waren sogar bereit, für dieses zu sterben."

(Willi Wertheimer)

Die nationale Begeisterung zu Beginn des Ersten Weltkrieges machte auch vor den jüdischen Bürgern nicht halt; sie waren Deutsche jüdischen Glaubens, die als Patrioten Seite an Seite mit ihren christlichen Kriegskameraden für ihre Heimat kämpften und starben. Zwei Hardheimer jüdischen Glaubens ließen ihr Leben in diesem Krieg - Wolf Adolf Israel und Anselm Wertheimer. Noch 1935 findet sich als Inschrift auf dem Grab von Julius Billigheimer der stolze Satz: "Er zog als Soldat in den Krieg."

Dennoch zeigte sich gerade in diesem Krieg, daß die völlige Gleichstellung noch nicht erreicht war - Juden fanden sich nur in Ausnahmefällen im Offizierskorps, und bei der Verpflegung wurde keine Rücksicht auf die jüdischen Ernährungsregeln genommen. Eine jüdische Vereinigung hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Soldaten jüdischen Glaubens mit koscheren Konserven zu versorgen, was jedoch nur in der Etappe funktionierte.

T 4.5a

Die Hardheimer Familie Wertheimer im Krieg

Fünf Söhne des Lehrers der jüdischen Gemeinde in Hardheim, Emanuel Wertheimer, standen im Ersten Weltkrieg im Feld: Julius Wertheimer (oben links), Dr. Felix Wertheimer (oben rechts), Anselm Wertheimer, Issi Wertheimer und Willi Wertheimer (unten von links nach rechts).

Anselm Wertheimer fiel am 31. März 1918; die anderen Brüder Willi Wertheimers - Julius, Felix und Issi - wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

"Der Dank des Vaterlands soll nicht vergessen werden, der uns gewiß war. - Es war aber von vornherein gut, nicht auf ihn zu warten, denn er erreichte uns nicht. Als man sich später der Juden in Deutschland erinnerte, da war es alles andere als Dank."

(Willi Wertheimer)

 

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Tafel 4.6

Soldatenpost

Ausdruck einer gewissen Gleichstellung und Solidarität aller Deutschen, gleich welchen Glaubens, waren die sogenannten "Liebesgaben" - Pakete mit Süßigkeiten, Zigaretten u.ä., die von den örtlichen Komitees des Roten Kreuzes während des Ersten Weltkriegs ausnahmslos an die im Feld stehenden Soldaten verschickt wurden.

Die Dankesbriefe der an der Front kämpfenden Hardheimer Juden - dies waren neben den Brüdern Julius, Felix, Issi, Willi und Anselm Wertheimer unter anderem Samuel Halle und Abraham Rosenthal - an das Bürgermeisteramt in Hardheim sind Zeugnisse eines glühenden Patriotismus.

So schreibt Anselm Wertheimer im November 1914: "Ich werde bis zum letzten Atemzug tapfer kämpfen für Fürst und Vaterland. Unser Losungswort heißt: Sterben oder Sieg!"

Anselm Wertheimer fiel am 31. März 1918.

T 4.6a

Brief von Anselm Wertheimer; 1. November 1914

Nebenstehenden Dankesbrief schrieb Anselm Wertheimer auf dem Briefpapier eines französischen Arztes an das "Verehrliche Bürgermeisteramt Hardheim":

"Hiermit bestätige Ihnen bestens dankend, den Empfang Ihres lb. Paketchen. Ich freute mich besonders sehr damit, daß die liebe Heimatgemeinde bei solch ernsten Zeiten auch an seine treuen und tapferen Krieger dachte. Gott sei Dank bin noch gesund und wohlauf munter, obgleich schon seit Beginn des Krieges im Felde bin.
Die Süßigkeit lasse mir gut schmecken, und die Ciggaretten werde mich besonderen Andacht rauchen.
Hoffentlich kommt die Zeit bald, wo mich hierfür erkenntlich zeigen kann.
Dessen ungeachtet werde bis zum letzten Atemzug tapfer kämpfen für Fürst und Vaterland. Unser Losungswort heißt: »Sterben oder Sieg!«
Da es hier an Schreibmaterial mangelt, wollen Sie bitte meine Schreibart entschuldigen.
Mit besonderer Hochachtung grüßt Sie, sowie die liebe Gemeinde Hardheim recht herzlichst auf baldiges Wiedersehen

Anselm Wertheimer
zur Zeit im Felde

Kan. Wertheimer
3. bad. Feldart. Regt. 50.
II. Abteilung Stab"

 

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Tafel 4.7

In den zwanziger Jahren

Schon in der Frühphase der Weimarer Republik wurde von deutsch-völkischen Gruppierungen sowie von der am 5. Januar 1919 gegründeten NSDAP eine gezielte Propaganda gegen die jüdische Bevölkerung Deutschlands betrieben. Mit absurden Argumenten wurde versucht, die Juden für die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg verantwortlich zu machen.

Deutlicher Ausdruck des scharfen, irrationalen Antisemitismus, der die Basis der nationalsozialistischen Doktrin bildete, war das 25-Punkte-Partei-Programm der NSDAP vom 24. Februar 1920, in dem unter anderem die Verweigerung der Staatsbürgerschaft für Juden sowie eine Gesetzgebung und Kulturpolitik nach Rassekriterien gefordert wurden.

Noch vor dem Regierungsantritt Hitlers kam es zu Friedhofsschändungen, judenfeindlichen Kundgebungen und brutalen Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger, die von der Bevölkerung jedoch nicht sonderlich ernst genommen wurden.

Mitte der zwanziger Jahre nahmen auch in Hardheim und Umgebung die antisemitischen Strömungen zu. Zeitzeugen berichten von einer anwachsenden Ausgrenzung und von Pöbeleien gegenüber der jüdischen Bevölkerung sowie von der Verbreitung antisemitischer Lügen, die einen latent vorhandenen Judenhaß schürten.

T 4.7a

Erinnerungen an die zwanziger Jahre

Willi Wertheimer war Anfang der zwanziger Jahre zunächst Lehrer in Eubigheim; er erinnert sich:

"Ebenfalls bei Frau Samstag ließ sich damals ein Arzt nieder, ein ehemaliger Offizier aus dem Weltkrieg. Er war ledig und kam aus Norddeutschland, auch seine Eltern wohnten einige Zeit in Eubigheim. Sein Vater war ein pensionierter Lehrer von echt preußischer Gesinnung. Mit ihm zog der Wind aus einer neuen Richtung in unseren stillen Ort ein. Er gründete einen Schützenverein in Eubigheim, wie sie zu dieser Zeit überall entstanden. In diesen Versammlungen konnte man aus Herzenslust auf die Reaktion und die Herren, die den Krieg verloren hatten, schimpfen. Das Getriebe in diesem Verein warf schon seine Schatten voraus auf das, was kommen sollte (...).

Bald verschwanden die demokratischen Ideale in diesem Verein, und der große Teil der christlichen Kameraden wurde Anhänger des größten Verbrechers aller Zeiten (...). Judenhaß steckte aber latent in den Köpfen vieler Bürger. Durch Erziehung und Vererbung schlummerte der Antisemitismus in vielen. Wir Juden bekamen das eigentlich immer wieder zu spüren. Im Heer, unter Kollegen, im Verkehr mit Beamten mußten wir immer wieder feststellen, daß wir oft zur Zielscheibe von plumpen und auch oft gemeinem Spott wurden. Der »Führer« brauchte nur die schlummernden Triebe zu wecken, schnell wurden sie zur lodernden Flamme."

(Willi Wertheimer)

 

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Anfragen und Informationen zum Thema Jüdische Gemeinde bitte direkt an Herrn Gerhard Wanitschek