|
|
Ausstellungstexte: Gesamttext ohne Abbildungen |
Das Erfatal-Museum Hardheim"Heimlicher
Sammeleifer hat manche Zeugen ferner Tage zusammengetragen und ihnen in den
stillträumenden Höhen unter den gewaltigen Balken des Schloßspeichers, in einem kleinen
Stübchen, ein heimlich Wohnplätzchen gegeben..." |
Exponattexte G 0.2 |
G 1/2Hardheim und seine OrtsteileSeit 1975 besteht die Gemeinde Hardheim aus acht bis dahin selbständigen Ortsteilen: Bretzingen, Dornberg, Erfeld, Gerichtstetten, Hardheim, Rütschdorf, Schweinberg und Vollmersdorf; schon seit dem Mittelalter gehört Rüdental zu Hardheim, seit 1924 auch der Hof Breitenau. Die Gemeinde zählt heute zum Neckar-Odenwald-Kreis (Region Unterer Neckar, Regierungsbezirk Karlsruhe). |
G 6Erste ErwähnungenIn der
Lokalgeschichtsschreibung spielt die erste Erwähnung eines Ortes eine große Rolle. Sie
allein kann Alter und frühe Entwicklung einer Siedlung auf das Jahr genau belegen. Und
nur durch sie kann ein Jubiläum gefeiert werden. |
Exponattexte G 6.1 G 6.2 |
G 3Frühe SpurenErste Spuren haben
Menschen im Erfatal schon vor etwa 5000 Jahren hinterlassen: Werkzeuge aus Stein. |
G 5Römer und GermanenNiemand weiß, wann
die keltische Besiedlung des Erfatals ihr Ende gefunden hat. |
Exponattexte G 3.1 G 5.1 |
G 8Streit um HardheimDie Jahrhunderte des
hohen Mittelalters bis zur frühen Neuzeit hin waren im Erfatal geprägt durch die
Herrschaftskonkurrenz verschiedener Hoch- und Niederadelsgeschlechter und der Bistümer
Mainz und Würzburg. |
Exponattexte G 8.1 |
G 9Die Herren von HardheimDie Herren von
Hardheim waren zu Beginn ihrer Familiengeschichte keine Adligen, sondern Unfreie. Sie
dienten den Edelfreien von Dürn in der Verwaltung ihrer Besitztümer und Rechte. |
Exponattexte G 7.3
|
G 10Schweinberg, Boxberg, WertheimDie Familie derer von
Schweinberg zählte offensichtlich zu den edelfreien - schon früh adligen - Geschlechtern
der Gegend. |
Exponattexte G 10.2 |
G 11Schlösser und BurgenÜber Jahrhunderte
hinweg waren Schlösser und Burgen der Adligen nicht nur Befestigungen zur Verteidigung.
Sie waren auch Symbol der Herrschaft des Herren über seine bäuerlichen Untertanen. |
Exponattexte G 11.1 |
|
G 12Herr und Bauer: mittelalterliche Herrschaft"»Niemand kann
zween Herren dienen« heißt ein viel gebrauchtes Wort; für den Bauer des 16.
Jahrhunderts und der folgenden Jahrhunderte bis ins 19. hinein galt das nicht: der mußte
oft genug nicht nur zweien, sondern vier und fünf und noch mehr Herren dienen, nämlich
abgesehen vom Kaiser einem Landesherren, unter dem häufig ein Dorfherr stand, einem oder
mehreren Zehntherrn, dem Grundherrn, dem Leibherrn, ganz abgesehen davon, daß er dem
Schultheißen und dem Gericht seiner Gemeinde und den Bürgermeistern und so manchen
andern Dorfherrn zwar nicht zu dienen, aber je nach Lage der Dinge zu gehorchen
hatte." |
Exponattexte G 12.5 |
|
| G 12 / 3 Mittelalterliche Herrschaft - Beispiel Steinemühle 1482 Ein Beispiel für die komplizierte
Regelung der verschiedenen Herrschaftsbereiche im ausgehenden Mittelalter ist ein
Lehensbrief des Ritters Georg (II.) von Hardheim über seine Hälfte der Steinemühle. |
G 14.1 Grenzstein; 1594 Im Jahr 1594 wurde in Hardheim anläßlich einer "Inventur" der Besitz der Herren von Hardheim in einer Güterbeschreibung festgehalten. Offensichtlich wurden dabei auch verschiedene Güter durch Steine markiert - aus diesem Jahr stammt auch dieser Stein mit der Signatur LM 1594. G 14.2 Grenzstein;
Ende 16. Jahrhundert |
G 13Bauer und Herr: BauernkriegDas 16. Jahrhundert
beginnt in Franken für die Bauern mit großer Not: Mißernten und höhere Abgaben
verschlechtern ihre Lage. Auch kündigt sich ein großer Umbruch an: das mittelalterliche
Weltbild kommt durch humanistische und reformatorische Gedanken ins Wanken, der Buchdruck
trägt sie bis ins kleinste Dorf. |
G 15Hardheim: Spital und Juden, Markt und MauerOffensichtlich stand
das Dorf Hardheim ausgangs des Mittelalters kurz davor, eine Stadt zu werden, denn es wies
Merkmale auf, die ein Dorf zu dieser Zeit nicht besaß. |
Markttage in Hardheim 1585 auf Albani (= 21. Juni) |
|
| G 15 / 1 Urkunde Kaiser Ludwigs des Bayern; 14. September 1318 Kaiser Ludwig der Bayer verpfändet mit dieser Urkunde die Hardheimer Juden um 200 Pfund Heller an die Ritter Werner und Reinhard von Hardheim; diese erste Erwähnung der jüdischen Gemeinde in Hardheim bezieht sich auf das Schutzrecht des Königs gegenüber den jüdischen Gemeinden, das "Judenregal". (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kaiser Ludwig Selekt 165) Transkription: 1 Wir Ludowich von Gotes Gnaden
Romischer Könich ze allen zeiten merer des Riches. Thun kunt allen / Übertragung: Wir Ludwig, von Gottes Gnaden Römischer König, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, tun kund allen, die diesen Brief sehen oder hören lesen, daß wir unseren getreuen Reinhard und Werner von Hardheim für den Dienst, den sie uns nun haben geheißen zu tun (um den sie uns gebeten haben), gelten sollen 200 Pfund Heller. Und für dieselben Heller versetzen wir ihnen unsere Juden, die zu Hardheim gesessen sind, so lange zu halten, bis wir sie um die erwähnten 200 Pfund Heller von ihnen wieder ledigen (einlösen). Darüber zur Urkunde geben wir ihnen diesen Brief, mit unserem Siegel versiegelt, der gegeben wurde zu Frankfurt, am Dienstag nach des Heiligen Kreuzes Tag, als es erhöht wurde, da man zählt von Christi Geburt dreizehnhundert Jahre, danach im achtzehnten Jahr, im vierten Jahr unseres Reichs. G 15/2 Urkunde Bischof Georg Karls von Würzburg; 3. August 1798 Hardheim wird mit dieser Urkunde des Landesherren das Recht erteilt, einen vierten Jahrmarkt abzuhalten - auf St. Jakobus (11. Mai). (Gemeindearchiv Hardheim, U 10) Transkription: Wir Georg Karl von
Gottes Gnaden Bischof zu Würzburg des Heiligen Römischen Reichs Fürst und Herzog zu
Franken. |
G 16Schweinberg: Stadtrecht für ein Dorf?Auch Schweinberg
befand sich im 14. Jahrhundert auf dem Weg, eine Stadt zu werden. |
Markttage in Schweinberg 1792 Montag (Jahr-)/Dienstag
(Viehmarkt) nach Maria Lichtmeß (2.2.), Dienstag nach Rosenkranz (7.10.) Viehmarkt |
|
| G 16 / 1 Urkunde König Wenzels; 18. März 1379 König Wenzel hat dem Grafen Hans
von Wertheim das Recht erteilt, aus seinem Dorf Sweinburg eine Stadt zu machen - was
allerdings nie ausgenützt wurde. Übersetzung: Wir, Wenzel, von Gottes Gnaden römischer König, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, und König zu Böhmen, bekennen und tun kund öffentlich mit diesem Brief allen denen, die ihn sehen oder hören lesen, daß wir durch mannigfaltige Dienste und Treue, die uns und dem Reich der Edle Hans von Wertheim, unserer und des Reichs Getreuer, oft willig und zu unserem Nutzen getan hat und weiterhin tun soll und mag in künftigen Zeiten, (daß wir) ihm die Gnade getan haben und tun, mit rechtem Wissen und aus königlich-römischer Macht, daß er aus dem Dorf Schweinberg, bei der Feste desselben Namens gelegen, eine Stadt machen kann. Derselben Stadt Schweinberg (haben) wir aus erwähnter königlich-römischer Macht alle Rechte gegeben und geben sie kraft dieses Briefs, die unsere und des Reiches Stadt Gelnhausen hat und gebraucht, ohne Auswirkungen auf andere Städte und ihre Rechte, die im Umkreis einer Meile liegen, und (wir) gebieten allen, Fürsten - geistlichen und weltlichen -, Grafen, Freien, Dienstleuten, Rittern, Knechten, Gemeinschaften der Städte und allen anderen unserer und des Reichs Getreuen, daß sie den genannten Grafen Hans, seine Erben und auch die genannte Stadt Schweinberg an unseren Gnaden nicht hindern oder irren sollen in keiner Weise, da sie sonst unsere und des Reichs Ungnade erwirken. Wir bezeugen dies (durch diesen) Brief, versiegelt mit unserem königlich-majestätischen Siegel, der gegeben wurde zu Nürnberg nach Christi Geburt dreizehnhundert Jahre danach im 79. Jahr am nächsten Freitag nach Laetare, in unsres Böhmischen Reichs 16. und dem römischen Reichs 3. Jahre. |
Exponattexte G 16.2 G 16.4 Der Mörser ist noch heute das Symbol der Apotheker; in Hardheim gab es schon früh eine Apotheke, entstanden im Zusammenhang mit dem Spital. |
G 18Kirche im MittelalterIm hohen Mittelalter
stehen Kirche und Glauben im Mittelpunkt des Denkens. |
Exponattexte G 18.1 |
G 19ReformationIm späten
Mittelalter treten innerhalb der Kirche aus verschiedenen Ursachen zunehmend
Verfallserscheinungen auf; sie äußern sich in Schisma und Verweltlichung am päpstlichen
Hof und innerhalb des Klerus, aber auch in tiefer und weltentsagender Frömmigkeit - so
lebte ein Einsiedler bei der von den Herren von Hardheim um 1400 auf Dornberger Gemarkung
gestifteten "Kappel unserer lieben Frau im Walde". |
||
| G 19/1 Vom Hardheimer "Reformator" Wolf von Hardheim
handelt auch eine Sage, deren historischer Hintergrund der hochpolitische Streit zwischen
dem Grafen von Wertheim und den Rittern von Hardheim bildet: die Grafen von Wertheim
hatten ihre landes- und gerichtsherrschaftlichen Rechte in Hardheim als Lehen auf die
Ritter von Hardheim übertragen, die als Gegenleistung die Oberherrschaft der Wertheimer
Grafen anzuerkennen hatten und dies im 16. Jahrhundert nicht mehr wollten. |
G 20GegenreformationSchon die
Durchführung der Reformation in den einzelnen Territorien wurde vielfach von seiten der
Landesherren benutzt, ihre Herrschaft auszuweiten. |
G
20/1 Als
Grundlage der Gegenreformation des Baulandes durch den Würzburger Bischof Julius Echter
von Mespelbrunn können verschiedene Visitationen der Pfarreien des Baulandes gelten, die
eine Bestandsaufnahme des Zustandes der einzelnen Pfarreien und entsprechende
Gegenmaßnahmen erlaubten. |
G 23Zeugnisse des GlaubensEin Charakteristikum
der Gegend, vielleicht begründet durch den doppelten Wechsel der Konfession: die
Frömmigkeit der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten fand in allen Lebensbereichen
bildhaften Ausdruck. |
Exponattexte G 17.3 |
|
| G 21.2 Steinplatte; 1514 Die Inschrift dieser Steinplatte, die auf dem Hardheimer Friedhof gefunden wurde, lautet: Anno d(omi)ni / mo v` vnd / 14 ior im / langen winter / i d f g G 21.4 Karfreitagsratsche; 19. Jahrhundert In der Karwoche - zwischen Gründonnerstag und Karsamstag - durften die Kirchenglocken nicht geläutet werden; als Ersatz dafür wurden die Gottesdienste mit den Karfreitagsratschen angekündigt. G 22.1 Religiöse Figuren Verschiedene religiöse Figuren - meist aus Gips, einige aber auch aus Porzellan oder Bronze - dienten als frommer Hausschmuck. Wie bei religiösen Bildern tauchen auch hier die verschiedensten Motive auf - Jesus Christus, Maria, die heilige Familie, Heilige und Engel. |
G 23aLiborius Wagner - ein Leben im Dreißigjährigen KriegZwischen Juni 1625
und August 1626 - mitten im Dreißigjährigen Krieg - amtierte an der Hardheimer
Pfarrkirche ein Kaplan, dessen Biographie exemplarisch im Zeitalter der Glaubenskriege
ist: Liborius Wagner. |
Exponattexte G 23a/1 |
G 23bDer Dreißigjährige KriegWir sind doch nunmehr
gantz / ja mehr denn gantz verheeret! |
G 25Amt Schweinberg und Amt HardheimSchon früh
versuchten die Grafen von Wertheim, in ihrem Herrschaftsgebiet durch die Einrichtung von
Ämtern als Verwaltungseinheiten ihren Anspruch auf Landes- und Gerichtsherrschaft
durchzusetzen. |
G 25Absolutismus im FürstbistumNach den verheerenden
Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges erholte sich das Erfatal nur langsam: zu groß
waren auch hier die Verwüstungen durch immer neue Kriegszüge und Einquartierungen
verschiedenster Truppen. |
Exponattexte G 23b.2 |
|
| G 25/1 Urkunde Johann Philipps von Schönborn, Erzbischof von Mainz und Bischof von Würzburg und Worms; 28. März 1668 Schon im Jahr 1613 hatte der Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn der Gemeinde Hardheim ein eigenes Siegel verliehen, das bei der Wiederverleihung durch Bischof Johann Philipp von Schönborn so beschrieben wird: "Unseres geehrten Herrn und Vorfahrens (des Julius Echter von Mespelbrunn) angeborenes und dann des Stifts gewöhnliche Wappen ("fränkischer" Rechen und das Rennfähnlein) in einem runden Zirkel, darüber in der Mitte eine Kirche mit zwei Türmen, und zwischen beiden Türmen auf einem Halbmond das Bild Unserer Lieben Frau, weiß umflammt wie die Sonne, in der rechten Hand ein Szepter, in der linken das Jesuskindlein tragend..." (Gemeindearchiv Hardheim, U 3) Transkription: WIR Johann Philipps von Gottes gnaden des Heil:Stuls / zu Maintz Ertzbischoff des heÿl:Röm;Reichs durch Germanien ErtzCantzlar, und Churfürst, Bi= / schoff zu Würtzburg und Wormbs, und Hertzogs zu Franckhen. - Nachdeme / beÿ Uns Unsere liebe getrewe Schultheiß Bürgermeister und Gericht zu Hartheim Underthenigst und (beweglichst) / einkommen, was gestalten Unser geehrter Lieber herr und Vorfahrer am Stifft, weÿlandt Bischoff / Julius Christmildsten andenckhens, in dem Jahr SechZehenhundert und DreÿZehen, sie mit einem eigen / von Gerichts Insigel begnädiget, davon sie ein Model überreicht haben: Nachfolgender gestalt; / als under nachst höchstbesagtens Unsers geehrten herrn und Vorfahrens Angebohren, und dan des / Stiffts gewöhnliche Wappen in einer ronden Zierkhel, über dem in der mitte ein Kirchen mit zweÿ / Thürnlein, und dan Zwischen beeden Thürnlein, uff einem halben Mond Unser Lieben frawen Bildt / gerings weiß flammirt, als die Sonn " in der rechten Handt ein Scepter, in der Linckhen das JESV / Kindlein tragend, welches Insiegel (...) die darauff erfolgt,, und höchst(....bluhr) Kriegs(....) erbaut / und (5 Worte unleserlich) seÿe, dabeÿ Underthänigst (Rest der Zeile unleserlich) / ihnen die hie(..)rige Gnad und Freÿheit wiederumb zu ertheilen, und zu verstatten, damit sie mehrgedt: Insigel / der form nach wie obgemelt renoviren, und fürterhin gebrauchen mögen; - bekennen / und tun kundt hiemit gegen Männiglich, das Wir (...) Unsers Schultheisen Bürgermeister und Ge=/richts eingewandte Zimliche Bitt, als in Gnaden angesehen, und (...) haben, das derselbe vor ange=/regtes Insigel wiederumb (...)stechen, ernewrn und renovirn ; auch künfftig dessen Unsrem allgemeinen / Contract=Insiegel, ÿrloch, ohne abbruch, und nachtheil:(...) gebrauchen mögen, ohne (...) So geben / und Geschehen, Würzburg, Under Unserm hieran gehängten Cantzleÿ=Secret=Insigel, den acht und Zwaintzigsten Tag Martÿ, Anno 1668 |
G 24.2 Wappenstein; 1877 Der Stein mit dem Hardheimer Gemeindewappen und der Inschrift "Rathhaus / Erbaut unter Bürgermeister / Alois Barth / 1877" befand sich am 1981 abgebrochenen "alten" Hardheimer Rathaus. G 25.2 Statistik des Amtes Hardheim; 1725 Im Zuge des Aufbaus des Amts Hardheim wurde im Jahr 1725 in der bischöflichen Verwaltung in Würzburg diese umfangreiche "Tabell" ausgearbeitet; sie enthält auf einen Blick wichtige Angaben zur Verteilung der herrschaftlichen Rechte in den zugehörigen Orten - neben Hardheim und einigen kleineren Höfen v.a. in Schweinberg, Pülfringen, Bretzingen, Gerichtstetten, Waldstetten und Höpfingen. (Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Risse und Pläne I/204) G 25.3 Denkmal für Kaiser Karl VI. in Breitenau - am 13. Dezember 1711 mußte Karl VI. auf der Reise von Barcelona zu seiner Krönung in Frankfurt den nicht geplanten Umweg über das Erfatal nehmen, da das Taubertal bei Tauberbischofsheim durch ein Unwetter nicht passierbar war. G 25.6 Die fürstbischöfliche Residenz in Würzburg symbolisiert wie andere Schlösser aus der Zeit des Barock den absoluten Machtanspruch ihrer Erbauer und erscheint deshalb sogar auf einem Gesellenbrief des aus Hardheim stammenden Schreiners Joseph Anton Popp aus dem Jahr 1795. G 25.8 Unbekannter Meister: Demian Hugo von Schönborn; 1741 Seit dem 17. Jahrhundert hat die Familie von Schönborn eine lange Reihe bedeutender Bischöfe hervorgebracht, zu denen auch Demian Hugo von Schönborn (1676 - 1743) zählte - er war seit 1715 Kardinal, wurde 1719 Bischof von Speyer und 1740 Bischof von Konstanz. Von besonderer Bedeutung für Hardheim waren sein Großonkel Johann Philipp von Schönborn (1605 - 1673, seit 1642 Bischof von Würzburg, seit 1647 Erzbischof von Mainz und seit 1663 Bischof von Worms) und seine Brüder Johann Philipp Franz (1673 - 1724, 1719 - 1724 Bischof von Würzburg) und Friedrich Karl (1674 - 1746, Reichsvizekanzler 1705 - 1734, seit 1729 Bischof von Würzburg und Bischof von Bamberg). |
G 26Hardheim und NapoleonNapoleon war an allem
schuld - so könnte man auch im Falle Hardheims sagen. Doch die Wahrheit ist
komplizierter.
|
||
| G 26/1 Der Code Napoléon Mit der
Veröffentlichung des Code Napoléon am 21. März 1804 erlangte in Frankreich erstmals in
der Geschichte ein bürgerliches Gesetzbuch Gültigkeit, in dem alle Bereiche des
Zivilrechts - vor allem auch des Vertragsrechts - festgehalten und geregelt wurden. |
Exponattexte G 26.3 |
G 27Bürgermeister und GemeindeHardheim war nun
badisch, aber doch nicht ganz: die Fürsten von Leiningen behielten eine Reihe staatlicher
und feudaler Rechte. |
Exponattexte G 27.1 Einige Möbel sind mehr als 200 Jahre alt - so die Hardheimer Gemeindetruhe und der Hardheimer Ratstisch -, während der Großteil mit wenigen neueren Ausnahmen aus dem letzten Jahrhundert stammt. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Wahlurne (aus Bretzingen), der Tresor (aus Dornberg), das hölzerne Schreibzeug (aus Rüdental) und die beiden Böller aus Erfeld - letztere standen ursprünglich allerdings nicht in der Amtsstube, sondern wurden bei besonderen Anlässen im Freien abgefeuert. |
G 29Fürst und BürgerIn der ersten Hälfte
des letzten Jahrhunderts stand auch in Hardheim das neue bürgerliche Zeitalter dem
Festhalten an den alten feudalen Verhältnissen gegenüber. |
Exponattexte G 29.1 |
G 30Das bürgerliche JahrhundertIn der weitgehend
noch ländlich geprägten Gemeinde Hardheim orientiert sich das Leben mit dem Aufstieg des
Bürgertums in Wirtschaft und Gesellschaft wie anderswo an bürgerlichen Werten. |
Exponattexte G 30.5 |
|
| G 30a.1 Polsterstühle; Mitte 18. Jahrhundert Diese Polsterstühle stammen aus dem Speisezimmer des Geheimrats Georg Adolph Melber aus Frankfurt a. M.; seine Frau Johanna Melber, geborene Textor, war die Schwester von Johann Wolfgang Goethes Mutter Catharina Elisabeth. Die Köchin der Familie Melber, Josephine Henninger, stammte aus Hardheim; die Stühle waren ein Geschenk an Josephine, als die Familie Melber ein neues Speisezimmer kaufte, und gelangten ihrem Nachlaß nach Hardheim. Goethe selbst war in seinen Kinderjahren häufig bei seiner Tante zu Gast; besonders beeindruckt war er von ihrer liebevollen Fürsorglichkeit; sie habe "Abgötterei" mit ihm getrieben. Er berichtet: "Auch in ihrem Hause war um sie her alles bewegt, lebenslustig und munter, und wir Kinder sind ihr manche frohe Stunde schuldig gewesen." Das ursprünglich niedere Polster der Stühle war im Stil der Zeit mit schwarzem Damast bezogen; 1936 wurden sie neu aufgepolstert und mit dem heutigen Bezug versehen. |
G 31Kaiser und UntertanIn den sechziger
Jahren des letzten Jahrhunderts gelingt es dem preußischen Politiker Otto von Bismarck,
den bürgerlichen Traum vom geeinten Deutschland unter preußisch-aristokratischen
Vorzeichen zu verwirklichen. |
Exponattexte G 31.2 |
G 321914 - 1918: Der Erste WeltkriegDie aggressive
Politik des Deutschen Kaiserreichs und anderer europäischer Großmächte führt in den
Ersten Weltkrieg. |
Exponattexte G 32.2 |
|
G 331919 - 1933: Die Weimarer RepublikDie erste parlamentarische Republik auf deutschem Boden wurde auch in Hardheim von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikten geprägt. Exemplarisch für diese Belastungen erscheinen in Hardheim eine vierfach wiederholte Bürgermeisterwahl - zwischen dem Rücktritt des alten Amtsinhabers im Dezember 1918 und der endlich erfolgreichen Wahl im November 1919 -, negative Entwicklungen in der Wirtschaft - so gehen 1926 durch den Konkurs der Fränkischen Holzwerke weit über 10% der industriellen Arbeitsplätze in Hardheim verloren - und schließlich soziale Belastungen durch die hohe Arbeitslosigkeit Ende der zwanziger Jahre auch in Hardheim. |
Exponattexte G 33.3 |
G 341933 - 1945: Nationalsozialismus und Zweiter WeltkriegNeben vielen anderen Aspekten der Zeit des Nationalsozialismus - nicht zuletzt der Verbrechen gegenüber den Juden - steht auch in Hardheim die Vorbereitung auf den Krieg für die Zivilbevölkerung im Vordergrund - seit Mitte der dreißiger Jahre wird der Luftschutz organisiert. Die nationalsozialistischen Machthaber streben gezielt einen Krieg an, dessen furchtbare Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung wissend in Kauf genommen werden.Allein aus Hardheim und seinen heutigen Ortsteilen wurden fast 400 Menschen getötet - die meisten als Soldaten, einige aber auch als Zivilisten bei Angriffen am Ende des Krieges. |
Exponattexte G 34.1 |
G 351945-1949: Amerikanische BesatzungszoneNach der Niederlage
des Deutschen Reiches, das mit dem Zweiten Weltkrieg einen der furchtbarsten und
folgenschwersten Kriege der Weltgeschichte provoziert und begonnen hatte, wurde das
gesamte Territorium von den Siegern besetzt - Hardheim lag wie ganz Nordbaden in der USBZ,
der amerikanischen Besatzungszone. |
Exponattexte G 35.2 G 35.5 |
G 36Die Jugend des Willi WertheimerAm 26. März 1897
wurde dem Lehrer der jüdischen Gemeinde in Hardheim, Emanuel Wertheimer, und seiner Frau
Marianne das neunte Kind geboren. Der Junge wurde auf den Namen Willi getauft. |
Exponattexte G 36.1 |
G 37Flucht vor dem VerbrechenAuch nach der
Machtergreifung der Nationalsozialisten bleibt Willi Wertheimer Lehrer der jüdischen
Gemeinden der Umgegend, wie seine Glaubensgenossen von den bisherigen Freunden und
Nachbarn mit wenigen Ausnahmen zunehmend schikaniert. |
G 38War Hardheim je meine wahre Heimat?Nachdem Willi
Wertheimer den Mördern seines Volkes entkommen ist, sucht er für den Rest seines Lebens
eine Heimat: er wird Bürger der USA und zum zweiten Mal in seinem Leben Soldat - in der
US Army. |
Exponattexte G 38.1 |
G 39Vom Postkarren zum FernmeldesatellitenUnsere Gegenwart wird
bestimmt von verschiedenen Medien - Hilfsmitteln zur zwischenmenschlichen Kommunikation. |
Exponattexte G 39.1 |
W 0Walter Hohmanngeboren am 18. März
1880 in Hardheim Ihm verdankt die Welt die Berechnung der Bahnen für die Raumfahrt zur Erreichbarkeit der Himmelskörper. |
W 1Die ElternSeit 1873 lebt
Dr.Rudolph Hohmann mit seiner Frau Emma als praktischer Arzt und Chirurg am Spital in
Hardheim. Kindheit und JugendAlle Kinder der
Familie Hohmann werden in Hardheim geboren: Eleonore 1875, Caroline 1876 und Walter 1880. |
W 0.1 Eckbalken des Hohmann-Geburtshauses; 1610 Die Inschrift auf dem Balken des heute nicht mehr bestehenden Hauses lautet: 1610 / MARIA BAUMENIN / DISER BAU / AUFGESCH/LAGEN <I>ST / GOT DEM / HERN SEI LO<B> / ZU ALLER / FRIST / GOT WOLL<E> / IHN BE<HUT>/EN VO<N AL>/LEM <Rest unleserlich>. |
W 3Der BerufNach dem Abitur
studiert Walter Hohmann an der Technischen Hochschule in München; 1904 legt er sein
Staatsexamen als Diplom-Bauingenieur ab. |
Exponattexte W 3.1 |
W 4Raumfahrt als SteckenpferdSchon vor dem Ersten
Weltkrieg zieht es den Bauingenieur Walter Hohmann hin zu einem ganz anderen Fachgebiet:
in seiner Freizeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Weltraumfahrt. |
W 5 Familienleben1915 heirateten
Walter Hohmann und Luise Jünemann; 1916 wurde der erste Sohn Rudolf, 1918 der zweite Sohn
Ernst geboren. |
W 6Der lange Weg einer IdeeNach dem Krieg bietet
Walter Hohmann sein Manuskript - die "Kladde" - vergeblich zur Veröffentlichung
an. Aber man reagiert mit Unverständnis und ohne Interesse - noch immer gelten die
wenigen, die an die Möglichkeit bemannter und unbemannter Raumflüge glauben, als
Phantasten. |
W 7Die Erreichbarkeit der HimmelskörperHohmanns Hauptwerk
erschien im November 1925 in einer Auflage von 2.100 Exemplaren zum Preis von 5.- RM. |
W 8Die Möglichkeit der Weltraumfahrt"Jeder, der eine
weite Reise vor hat, tut gut daran, vorher einen genauen Reiseplan auszuarbeiten, der ihm
Klarheit über die einzuschlagende Reiseroute und die voraussichtliche Reisedauer
verschafft..." |
W 9Im Kreis der RaumfahrtpioniereDie wenigen
Wissenschaftler, die in den zwanziger Jahren und teilweise schon vorher an der Entwicklung
der Raketen- und Raumfahrttechnik arbeiten, stehen in engem Kontakt miteinander, auch
über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. |
Exponattexte W 9.3 |
| W 10 LebensphilosophieSeine
Lebensphilosophie spielte für Walter Hohmann eine bedeutende Rolle, gerade in der Zeit
des Dritten Reichs: er setzte seinen Humanismus gegen den Ungeist der Zeit. |
W 11Der MondSchon während des Krieges hatte Walter Hohmann vorausgesagt, daß die USA als erste den Mond erreichen würden. Entscheidenden Anteil am Gelingen der ersten Mondlandung am 21. 7. 1969 hatten deutsche Wissenschaftler, die von der US-Army 1945 aus Peenemünde in die USA gebracht worden waren - allen voran Wernher von Braun und Hermann Oberth. Wernher von Braun entwickelte das Apollo-Programm, das von vornherein die bemannte Mondlandung als Ziel hatte. Dabei wurde auf Hohmanns Gedanken vom Einsatz eines Beiboots zurückgegriffen; auch seine Überlegungen zu Flugphasen und -bahnen wurden weiterentwickelt. Oberth und von Braun
waren es auch, die Hohmanns Berechnungen und Vorarbeiten immer wieder gewürdigt haben,
zuletzt durch die Initiative von Brauns, einen Mondkrater nach Hohmann zu benennen. |
Exponattexte W 11.1 Im Jahr 1958 schreibt Wernher von Braun - damals noch bei der Army Ballistic Missile Agency, der militärischen Vorläuferin der NASA - über die Bedeutung von Walter Hohmanns Buch: "Ich habe es bereits als Schuljunge verschlungen." W 11.2 Schreiben Wernher von Brauns aus dem Jahr 1970 an Walter Hohmanns Sohn Rudolf, in dem er ihm die Benennung des Hohmann-Kraters mitteilt. W 11.7 Einige Manuskriptseiten aus der Feder Walter Hohmanns - zum einen mit einem ungewöhnlichen Vorschlag für eine Mehr-Stufen-Rakete, zum anderen mit dem trotzigen Ausruf "Aber wir kriegen ihn doch!", den er auf einer Manuskriptseite vom 25. August 1923 gegen die Hindernisse des bemannten Raumfluges setzt: "Verfluchte Erde, von deren Schwerkraft wir uns nicht losmachen können!" |
|
| W 11.6 Etwa fünfzig Jahre nach Walter Hohmanns ersten Überlegungen über die Erreichbarkeit des Mondes landeten am 21. Juli 1969 die ersten Menschen auf dem Mond; den Weg haben sie auf einer Hohmann-Bahn zurückgelegt, die Expedition folgte in ihren Schritten im Grunde seinen Anregungen. Apollo 11 startete am 16. 7. 1969 vom John F. Kennedy Space Center auf Cape Canaveral aus (1); nach Zündung der zweiten Stufe der Trägerrakete Saturn 5 (2) Eintritt in eine erdnahe Parkbahn (3). Die dritte Stufe katapultierte Apollo in Richtung Mond (4). Unterwegs wurde die dritte Stufe abgesprengt (5), und die Mondlandeeinheit (LM) nach einem komplizierten Wendemanöver an die Kommandoeinheit (CM) angekoppelt (6).
Nach Eintritt in eine Mondumlaufbahn wird Hohmanns Idee realisiert, "dass nicht das ganze, für die grosse Reise ausgerüstete Fahrzeug mit allen Insassen die Landung und den Wiederaufstieg unternimmt, sondern nur eine leichte Art Beiboot mit einem einzelnen Beobachter (7 bis 10), während das Hauptfahrzeug den betreffenden Planeten umkreist. Nach erfolgter Rückkehr des Beobachters (11) kann das Beiboot zwecks Gewichtsersparnis abgestossen werden (12)..." - so Walter Hohmann in einem 1927 veröffentlichten Aufsatz. Die Kommandoeinheit wird auf die Flugbahn Richtung Erde gebracht (13), unterwegs die Versorgungseinheit abgesprengt (14); nach Wiedereintritt der Kapsel in die Erdatmosphäre (15) erfolgt die Landung im Pazifik (16). |
W 15Aspekte der RaumfahrtSeit dem Ende des Zweiten Weltkriegs schreitet die Entwicklung von Raketen- und Raumfahrttechnik in rasantem Tempo fort. Sie ist heute als einer der wichtigsten Technologieträger kaum mehr wegzudenken. Das Thema Weltraum ist deshalb sehr vielschichtig geworden. An erster Stelle steht nach wie vor der militärische Aspekt. Nicht erst seit den amerikanischen Plänen zur Verteidigung aus dem Weltraum (SDI) wird die Raumfahrt unter diesem Gesichtspunkt gefördert und finanziert. Eng damit verbunden ist der Aspekt des nationalen Prestiges: nicht nur die USA und die UdSSR forschen im All, inzwischen sind auch die Europäer und einige Schwellenländer der Dritten Welt wie Indien und China in den Kreis der Raumfahrtnationen aufgerückt. Raumfahrt ist zu einem bedeutenden Faktor in den Volkswirtschaften der Industriestaaten geworden, auch wenn die Dimensionen des amerikanischen Apollo-Programms nicht mehr erreicht worden sind: an den 17 Missionen waren 300.000 Beschäftigte beteiligt; die Kosten beliefen sich auf 25 Milliarden US-$. Raumfahrt besitzt inzwischen hohen praktischen Stellenwert im Leben der westlichen Nationen: sei es die weltweite Übertragung eines sportlichen Großereignisses oder das Telefonat mit Verwandten in San Francisco. Letztlich spielt natürlich auch die wissenschaftliche Forschung eine Rolle, wenngleich allein der Forschung willen wohl kaum die hohen Kosten aufgewendet werden würden. |
Exponattexte W 15.4 |
|
| W 15A Wettlauf ins Weltall Nach dem Zweiten
Weltkrieg beginnt im Zeichen des Kalten Krieges ein Wettlauf zwischen den USA und der
UdSSR um die Erschließung des erdnahen Weltraums: |
W 17"Eine makabre Propaganda für
eine friedliche Sache..."
|
W 20"Die Völker alle beherrsche nur
eine Macht, der Fortschritt..."
|
Exponattexte W 20.1 "Aber wir kriegen ihn doch!" - diesen trotzigen Ausruf setzt Walter Hohmann auf einer Manuskriptseite vom 25. August 1923 gegen die Hindernisse des bemannten Raumfluges: "Verfluchte Erde, von deren Schwerkraft wir uns nicht losmachen können!" |
H 1Hardheimer HandwerkSchon in der frühen
Neuzeit spielte in Hardheim das Handwerk als Erwerbszweig neben der Landwirtschaft eine
bedeutende Rolle. |
H 2Zünfte in Hardheim: Der Brief der LeinenweberIm Mittelalter schließen
sich in den Städten die Handwerker aus unterschiedlichen Gründen zu Zünften zusammen. |
Exponattexte H 2/1 Transkription der
Seite 1: Exponattexte H 0.4 |
H 3Vom Flachs zum LinnenZu den ältesten
Kulturtechniken gehört die Herstellung von Kleidern und Stoffen aus pflanzlichen Fasern. |
Exponattexte H 2.1 H 1.1 |
|
H 12Der SeilerFür die Seefahrt
waren Schnüre, Seile und Taue von größter Bedeutung - und die berühmte Hamburger
Reeperbahn hat ihren Namen von der Seilerbahn, auf der der Seiler seine Produkte fertigt. |
H 15
Der SchönfärberEin Teil der
neugewebten Leinenstoffe wurde vom Schön- oder Blaufärber gefärbt.
|
Exponattexte H 15.1 |
|
| H 15/3 Eine neu herfürgegebene Farb-Belustigung von allerlei Farben auf Leinen und Wollin zu färben Aschgrau zu färben: nimm auf 1 Pf. Wollen 1 L. Allaun, 1 L. Wst., 1 L. Galläpfel, stoß alles klein, laß es bis an das Aufsieden kommen, nimm alsdann den Schaum hinweg und tue die Wolle hinein, laß 1½ St. kochen, alsdann abgekühlt und ausgespült. Willst du es blaulicht haben, so siede ein halb L. Blauholz ab, rühre die Wolle wohl um und gib Achtung, daß sie nicht zu blau werde, soll sie aber blauer sein, läßt man sie mehr kochen und meisterts mit Kammer-Lauge. Wer sie rötlich haben will, nimmt anstatt blauem, Rot-Holz und 1 L. Pottasche oder auch ½ Pf. abgesottene Röte oder Fernebock. Ascher-Farb auf 22 Pf. Wolle oder Leinen Seud 8 L. Präsilienholz wohl ab in einem scharfen Essig, weiche darein 1½ Pf. gestoßenen Gallus und 2 Pf. Kupferwasser, laß also 3 Tage stehen, willst du färben, fülle den Kß. mit reinem Wasser, gieße die Farbe hinein, rühre alles wohl durcheinander und haspele das Tuch oder Leinen hindurch, bis es die Farbe weg hat, kannst auch was Arsenikum dazu tun, so ist sie beständig. Blau-Leinen aus Indigo zu färben Zu 6 Schäfflein mit Wasser nimm 4 H. Grisch, 2 H. Seegrab, 3 H. ungelöschten knolligen Kalk, laß erstlich das Wasser sieden, alsdann tue die särffe hinein, als Weinheff 2 Pf, oder Pta 2 Pf. oder Weydaschen 2 Pf., welches unter diesen Dreien du willst, aber die Pta mußt du stoßen, laß eine halbe Stunde allgemach sieden, darnach tue die Grisch, Seegrab und den Kalk miteinander darein, laß wieder sieden eine Viertel St. lang, und wann er gesotten ist, stelle ihn mit einem Kübel voll Wasser zu, umgerührt, und tue das Feuer weg, laß eine halbe St. stehen, bis es gefallen, darnach seihe es ab, bis auf das Trübe, das schütte weg und also hast du den Wst. wie es genannt wird. Den Indig abzustoßen: Nimm zu 6 Schäfflein voll Wasser oder Wst. 1 Pf. Indig, weich ihn in den Wst. in den Reibkß., reib und stoß ihn auf, laß ihn fallen, eine halb viertel St. darnach klopfe mit einem Stecken an den Reibkß. und seie es ab bis auf das Dicke. Nimm wieder einen halben Kübel voll Wst. reibe es auf wie zuerst und abgezogen bis auf das Dicke und sofort an weilen du Indig in den Kß. hast und also mußt du die Farb 12 Stund stehen lassen, ehe du daraus färben kannst, und wenn du gefärbt hast, laß allemal 2 St. lang ruhen. Die Farb zu probieren: Nimm ein klein hölzern Schüsselein, tue die Blumen damit auf eine Seiten, schöpf gemach auf, siehet sie gelb, so ist sie gut, ist sie grasgrün, so ist sie zu scharf, schütte einen Kübel voll Glattwasser drein, das nit sauer ist, siehet die Farb mehr grün, so ist sie zu leis, so nimm einen Kübel voll Wst. und laß eine St. wieder stehen, ehe du färbst, so tue die Blumen in der hölzern Schüssel derab, hebs auf und schütts wieder dran, wenn du die Farb aufgerührt hast und gefärbt, wann du nun die Farb also zugericht hast und sie ihre Zeit gestanden und geruhet hat, so fahre fein schleunig fort, die Farb darf nit sieden in den Kß. nur gewärmt, daß man eine Hand darin erleiden kann, ist die Farb ausgefärbt, machs wieder mit Wst. zu, wie zuerst, laß 12 Stund ruhen, ehe du wieder färbst. Aus den Indig blau Wollin zu färben: Nimm frischen Mannsharn und auf 1 Pf. Garn 3 L. Indig, laß den übernacht im Harn erweichen, zerreib ihn auf das kleinste, gieß Harn darin, rühr es um und laß fallen, schütte oder seihe es in einen glasierten Hafen, tue ein wenig Spiesglas gestoßen darunter, laß 24 St. stehen an einem warmen Ort, wenn du färben willst, laß das Garn in Allaun-Wasser sieden ½ St., laß das Garn abrinnen, darnach lege es also naß in den Hafen und kehre es zum öfteren um, daß es nit flecket werde, laß es darinnen liegen, bis es blau genug ist, wenn das Garn nicht recht blau, so tue mehr Indig dazu. Blau aus Indig auf eine andre Weis: Mach eine scharfe Laugen und nimm für 1 Kreuzer Sallniter, tus in die Laugen, und laß die Laugen lauter werden, tu Indig hinein, laß 6 St. stehen, darnach lege die Woll darein, laß 4 St. stehen, so wird sie schön blau. Blaue Farb in anderer Manier: Nimm 1 Pf. Indig, 4 L. Stein-All., 2 L. rauch Honig, laß in einer starken Laugen von Eichenholzaschen sieden, bis der 3. Teil eingesotten ist, darnach färbe daraus, es wird schön blau. (Karl Schreck: Lauda. Schicksale einer ehemaligen fränkischen Oberamtsstadt. Lauda 1973; Abkürzungen: Pf = Pfund, L = Lot, q = Quintlein, H = Handvoll, St = Stund, Kß = Kessel, All = Allaun, Pta = Pottasche, Wst = Weinstein) |
H 16Der Büttner"Wir, Christoph
Franz, von Gottes Gnaden des Heiligen Römischen Reichs Fürst, Bischof zu Würzburg und
Herzog zu Franken. |
H 18Der SchuhmacherDer Beruf des
Schuhmachers kann als Musterbeispiel für die veränderte Rolle des Handwerks gelten: vom
(Schuhe) Herstellen zum (Schuhe) Reparieren. |
H 19.1 Werkstatt Die hier gezeigten Geräte und Einrichtungsgegenstände stammen aus verschiedenen Schusterwerkstätten aus Hardheim und den Ortsteilen; sie stellen in etwa das Inventar einer Schuhmacherwerkstatt bis in die Nachkriegszeit hinein dar. Anhand der Geräte läßt sich die Schuhherstellung nachvollziehen - von der Zubereitung des Leders mit der Lederwalze über das Nähen des Oberleders mit der Nähmaschine hin zum Besohlen mit Hilfe von Holznägeln aus der Holznagelmaschine. Das vielfältige Kleinwerkzeug wie Schuhmacherahle, Glätteisen und Nagelort fand auf dem Tisch seinen Platz. |
H 21Der TöpferDas Handwerk des
Töpfers - oder Hafners - ist eines der ältesten Handwerke in der Geschichte und hat sich
bis in die heutige Zeit hinein eine gewisse Bedeutung bewahren können. |
Exponattexte H 20.1 |
H 23
Wagner, Sattler, SchmiedIm Jahr 1699 wurden in Hardheim einige Handwerksberufe zu einer Zunft zusammengefaßt, die als Beispiel früh entwickelter Arbeitsteilung gelten können: Wagner, Huf- und Wagenschmiede produzierten die in der Landwirtschaft benötigten Transportmittel. Zu dieser Zunft zählten auch Waffenschmiede und Nagelschmiede, während die ebenfalls an der Herstellung von Wagen und Geschirr beteiligten Sattler zur Zunft der Schuhmacher und Rotgerber gehörten. Die Mechanisierung der Landwirtschaft brachte allen diesen Berufen das Ende: es bedurfte keiner Wagenräder aus Holz vom Wagner mehr, keiner Hufeisen und Wagenbeschläge vom Schmied und keiner Sättel und Kummete mehr vom Sattler. |
Exponattexte H 23.6 |
H 26 Die BauzunftBeim Bau eines Hauses mußten (und müssen) Handwerker verschiedener Berufe zusammenwirken: "die Meistere der Maurer, Steinhauer, Zimmer= und Schreiner Handwerckher" werden im Zunftbrief für die Hardheimer Bauzunft von 1688 genannt. Aber auch Glaser und Nagelschmiede gehören später zu dieser Zunft. Die Zunft schützte die einzelnen Handwerker vor dem Wettbewerb untereinander und mit Handwerkern von außerhalb: kein Meister durfte einen Bauherrn um Arbeit angehen, und "die Stöhrer und Stümper aber, so nicht zünftig gelehrnet oder nirgends sich zünftig und haussessig nidergelassen, hin und wider herum vagiren, stöhren und die Handtwerckher verstumblen, sollen keineswegs geduldet, sondern gäntzlich ab und ausgeschafft werden." Bis heute wurden die einzelnen Berufe in ihrer Entwicklung in unterschiedlicher Weise von der Industrialisierung betroffen - längst gibt es keine Nagelschmiede mehr. Steinhauer (Steinmetze) sind heute Spezialisten, während es in Hardheim durch die industrielle Ausbeutung der Hardheimer Steinbrüche seit etwa 1900 bis in die Nachkriegszeit hinein viele Steinhauer gegeben hat; die Steine wurden direkt im Steinbruch nach Maß gearbeitet. Die übrigen Berufe sind auch heute noch - unter Verwendung entsprechender neuer Werkstoffe und Geräte - beim Hausbau vertreten.
|
Exponattexte H 26 A.1 |
|
H 30
Zünfte und GewerbefreiheitDer Ausschluß des
wirtschaftlichen Wettbewerbs innerhalb der Zünfte und die Einschränkung gewerblicher
Aktivitäten durch den Zunftzwang machte die Gewerbefreiheit zu einer der wichtigsten
Forderungen des aufstrebenden Bürgertums im 19. Jahrhundert. |
H 31Von der Produktion zur ReproduktionMit der industriellen
Revolution veränderten sich auch Struktur und Tätigkeitsbereich vieler Handwerksberufe:
durch die Ausweitung der industriellen Produktion wurden viele Handwerke überflüssig,
andere mußten sich auf den Bereich der Reproduktion beschränken oder auf bestimmte
Bereiche spezialisieren; daneben entstanden neue Tätigkeitsfelder und neue Berufe. |
H 32Industrie in HardheimIm Vergleich mit den industriellen Zentren setzte in Hardheim erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahrzehnten und aus handwerklichen Wurzeln heraus eine bescheidene Industrialisierung ein. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts war die Region durch die politische Entwicklung ins Abseits geraten ("badisch Sibirien") und bis 1911 ohne Anschluß an das seit Mitte des 19. Jahrhunderts wachsende Eisenbahnnetz geblieben. So waren bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg hinein erst eine Handvoll industriell produzierender Betriebe in Hardheim entstanden - die Steinbruchbetriebe, die Hardheimer Ziegelei, der Mühlenbaubetrieb Adolf & Julius Eirich und vor allem die Maschinenfabrik Gustav Eirich, deren Elektrizitätswerk zudem seit 1907 die Bürger Hardheims mit elektrischem Strom versorgte. Den vielfachen Wandel seit dieser Zeit haben nur zwei der genannten Betriebe überstanden. Aus dem Mühlenbaubetrieb Adolf & Julius Eirich wurde die Firma Adolf & Albrecht Eirich, Siloeinrichtungen, und nach wie vor der bedeutendste Hardheimer Betrieb ist die Maschinenfabrik Gustav Eirich - in ihrer Branche von internationaler Bedeutung. |
| H
32/1 Entwicklung der Adolf & Albrecht Eirich KG 1850 Johann Eirich,
ein Sohn des "Stammvaters" Matthias Eirich, heiratet und baut im Hofacker eine
Werkstatt. |
H
32/2 Entwicklung der Maschinenfabrik Gustav Eirich 1863 Gustav Eirich -
ein Sohn des Hardheimer "Mühlenarztes" Matthias Eirich - gründet ebenfalls als
Mühlenarzt ein eigenes Geschäft; die Werkstatt befindet sich in der heutigen Würzburger
Straße. |
H 34 Der DruckerSeit Johannes
Gutenberg in Mainz um 1455 erstmals ein Buch mit gegossenen und beweglichen Lettern
druckte, wurden Bücher für fast fünf Jahrhunderte mit demselben Verfahren gedruckt: aus
Blei gegossene Lettern werden zu Worten, Zeilen und Seiten zusammengesetzt und im
Hochdruck gedruckt - nur die erhabenen Teile drucken. |
Exponattexte H 35 Die vier wichtigsten Druckverfahren werden hier demonstriert: Der Hochdruck durch einen Schließrahmen mit Satzform, der Tiefdruck durch einen Kupferstich, der Flachdruck durch einen Stein und eine Offsetdruckplatte, und schließlich der Siebdruck durch ein Sieb. |
|
H 40Der ZieglerSchon im Jahr 1680
ist in Hardheim erstmals das Handwerk des Zieglers erwähnt - die Ziegelei befand sich in
einem Seitenweg zur Wertheimer Straße. |
Exponattexte H 40.5 Feierabendziegel; 16. - 18. Jahrhundert Früher wurden häufig die letzten Ziegel der Tagesproduktion oder eines Brandes mit verschiedenen Ornamenten verziert - mit Schriften und Zeichen, Sonnen und Figuren. |
H 41
Orgelbau in HardheimSchon seit Ende des
19. Jahrhunderts existiert in Hardheim eine Orgelbauerwerkstatt. |
© 1998-2000 Peter Wanner M.A.