Texte der Abteilung Hardheimer Handwerk |
H 1Hardheimer HandwerkSchon in der frühen
Neuzeit spielte in Hardheim das Handwerk als Erwerbszweig neben der Landwirtschaft eine
bedeutende Rolle. |
H 2Zünfte in Hardheim: Der Brief der LeinenweberIm Mittelalter schließen
sich in den Städten die Handwerker aus unterschiedlichen Gründen zu Zünften zusammen. |
Exponattexte H 2/1 Transkription der
Seite 1: Exponattexte H 0.4 |
H 3Vom Flachs zum LinnenZu den ältesten
Kulturtechniken gehört die Herstellung von Kleidern und Stoffen aus pflanzlichen Fasern. |
Exponattexte H 2.1 H 1.1 |
|
|
H 12Der SeilerFür die Seefahrt
waren Schnüre, Seile und Taue von größter Bedeutung - und die berühmte Hamburger
Reeperbahn hat ihren Namen von der Seilerbahn, auf der der Seiler seine Produkte fertigt. |
H 15
Der SchönfärberEin Teil der
neugewebten Leinenstoffe wurde vom Schön- oder Blaufärber gefärbt.
|
Exponattexte H 15.1 |
|
| H 15/3 Eine neu herfürgegebene Farb-Belustigung von allerlei Farben auf Leinen und Wollin zu färben Aschgrau zu färben: nimm auf 1 Pf. Wollen 1 L. Allaun, 1 L. Wst., 1 L. Galläpfel, stoß alles klein, laß es bis an das Aufsieden kommen, nimm alsdann den Schaum hinweg und tue die Wolle hinein, laß 1½ St. kochen, alsdann abgekühlt und ausgespült. Willst du es blaulicht haben, so siede ein halb L. Blauholz ab, rühre die Wolle wohl um und gib Achtung, daß sie nicht zu blau werde, soll sie aber blauer sein, läßt man sie mehr kochen und meisterts mit Kammer-Lauge. Wer sie rötlich haben will, nimmt anstatt blauem, Rot-Holz und 1 L. Pottasche oder auch ½ Pf. abgesottene Röte oder Fernebock. Ascher-Farb auf 22 Pf. Wolle oder Leinen Seud 8 L. Präsilienholz wohl ab in einem scharfen Essig, weiche darein 1½ Pf. gestoßenen Gallus und 2 Pf. Kupferwasser, laß also 3 Tage stehen, willst du färben, fülle den Kß. mit reinem Wasser, gieße die Farbe hinein, rühre alles wohl durcheinander und haspele das Tuch oder Leinen hindurch, bis es die Farbe weg hat, kannst auch was Arsenikum dazu tun, so ist sie beständig. Blau-Leinen aus Indigo zu färben Zu 6 Schäfflein mit Wasser nimm 4 H. Grisch, 2 H. Seegrab, 3 H. ungelöschten knolligen Kalk, laß erstlich das Wasser sieden, alsdann tue die särffe hinein, als Weinheff 2 Pf, oder Pta 2 Pf. oder Weydaschen 2 Pf., welches unter diesen Dreien du willst, aber die Pta mußt du stoßen, laß eine halbe Stunde allgemach sieden, darnach tue die Grisch, Seegrab und den Kalk miteinander darein, laß wieder sieden eine Viertel St. lang, und wann er gesotten ist, stelle ihn mit einem Kübel voll Wasser zu, umgerührt, und tue das Feuer weg, laß eine halbe St. stehen, bis es gefallen, darnach seihe es ab, bis auf das Trübe, das schütte weg und also hast du den Wst. wie es genannt wird. Den Indig abzustoßen: Nimm zu 6 Schäfflein voll Wasser oder Wst. 1 Pf. Indig, weich ihn in den Wst. in den Reibkß., reib und stoß ihn auf, laß ihn fallen, eine halb viertel St. darnach klopfe mit einem Stecken an den Reibkß. und seie es ab bis auf das Dicke. Nimm wieder einen halben Kübel voll Wst. reibe es auf wie zuerst und abgezogen bis auf das Dicke und sofort an weilen du Indig in den Kß. hast und also mußt du die Farb 12 Stund stehen lassen, ehe du daraus färben kannst, und wenn du gefärbt hast, laß allemal 2 St. lang ruhen. Die Farb zu probieren: Nimm ein klein hölzern Schüsselein, tue die Blumen damit auf eine Seiten, schöpf gemach auf, siehet sie gelb, so ist sie gut, ist sie grasgrün, so ist sie zu scharf, schütte einen Kübel voll Glattwasser drein, das nit sauer ist, siehet die Farb mehr grün, so ist sie zu leis, so nimm einen Kübel voll Wst. und laß eine St. wieder stehen, ehe du färbst, so tue die Blumen in der hölzern Schüssel derab, hebs auf und schütts wieder dran, wenn du die Farb aufgerührt hast und gefärbt, wann du nun die Farb also zugericht hast und sie ihre Zeit gestanden und geruhet hat, so fahre fein schleunig fort, die Farb darf nit sieden in den Kß. nur gewärmt, daß man eine Hand darin erleiden kann, ist die Farb ausgefärbt, machs wieder mit Wst. zu, wie zuerst, laß 12 Stund ruhen, ehe du wieder färbst. Aus den Indig blau Wollin zu färben: Nimm frischen Mannsharn und auf 1 Pf. Garn 3 L. Indig, laß den übernacht im Harn erweichen, zerreib ihn auf das kleinste, gieß Harn darin, rühr es um und laß fallen, schütte oder seihe es in einen glasierten Hafen, tue ein wenig Spiesglas gestoßen darunter, laß 24 St. stehen an einem warmen Ort, wenn du färben willst, laß das Garn in Allaun-Wasser sieden ½ St., laß das Garn abrinnen, darnach lege es also naß in den Hafen und kehre es zum öfteren um, daß es nit flecket werde, laß es darinnen liegen, bis es blau genug ist, wenn das Garn nicht recht blau, so tue mehr Indig dazu. Blau aus Indig auf eine andre Weis: Mach eine scharfe Laugen und nimm für 1 Kreuzer Sallniter, tus in die Laugen, und laß die Laugen lauter werden, tu Indig hinein, laß 6 St. stehen, darnach lege die Woll darein, laß 4 St. stehen, so wird sie schön blau. Blaue Farb in anderer Manier: Nimm 1 Pf. Indig, 4 L. Stein-All., 2 L. rauch Honig, laß in einer starken Laugen von Eichenholzaschen sieden, bis der 3. Teil eingesotten ist, darnach färbe daraus, es wird schön blau. (Karl Schreck: Lauda. Schicksale einer ehemaligen fränkischen Oberamtsstadt. Lauda 1973; Abkürzungen: Pf = Pfund, L = Lot, q = Quintlein, H = Handvoll, St = Stund, Kß = Kessel, All = Allaun, Pta = Pottasche, Wst = Weinstein) |
H 16Der Büttner"Wir, Christoph
Franz, von Gottes Gnaden des Heiligen Römischen Reichs Fürst, Bischof zu Würzburg und
Herzog zu Franken. |
H 18Der SchuhmacherDer Beruf des
Schuhmachers kann als Musterbeispiel für die veränderte Rolle des Handwerks gelten: vom
(Schuhe) Herstellen zum (Schuhe) Reparieren. |
H 19.1 Werkstatt Die hier gezeigten Geräte und Einrichtungsgegenstände stammen aus verschiedenen Schusterwerkstätten aus Hardheim und den Ortsteilen; sie stellen in etwa das Inventar einer Schuhmacherwerkstatt bis in die Nachkriegszeit hinein dar. Anhand der Geräte läßt sich die Schuhherstellung nachvollziehen - von der Zubereitung des Leders mit der Lederwalze über das Nähen des Oberleders mit der Nähmaschine hin zum Besohlen mit Hilfe von Holznägeln aus der Holznagelmaschine. Das vielfältige Kleinwerkzeug wie Schuhmacherahle, Glätteisen und Nagelort fand auf dem Tisch seinen Platz. |
H 21Der TöpferDas Handwerk des
Töpfers - oder Hafners - ist eines der ältesten Handwerke in der Geschichte und hat sich
bis in die heutige Zeit hinein eine gewisse Bedeutung bewahren können. |
Exponattexte H 20.1 |
H 23
Wagner, Sattler, SchmiedIm Jahr 1699 wurden in Hardheim einige Handwerksberufe zu einer Zunft zusammengefaßt, die als Beispiel früh entwickelter Arbeitsteilung gelten können: Wagner, Huf- und Wagenschmiede produzierten die in der Landwirtschaft benötigten Transportmittel. Zu dieser Zunft zählten auch Waffenschmiede und Nagelschmiede, während die ebenfalls an der Herstellung von Wagen und Geschirr beteiligten Sattler zur Zunft der Schuhmacher und Rotgerber gehörten. Die Mechanisierung der Landwirtschaft brachte allen diesen Berufen das Ende: es bedurfte keiner Wagenräder aus Holz vom Wagner mehr, keiner Hufeisen und Wagenbeschläge vom Schmied und keiner Sättel und Kummete mehr vom Sattler. |
Exponattexte H 23.6 |
H 26 Die BauzunftBeim Bau eines Hauses mußten (und müssen) Handwerker verschiedener Berufe zusammenwirken: "die Meistere der Maurer, Steinhauer, Zimmer= und Schreiner Handwerckher" werden im Zunftbrief für die Hardheimer Bauzunft von 1688 genannt. Aber auch Glaser und Nagelschmiede gehören später zu dieser Zunft. Die Zunft schützte die einzelnen Handwerker vor dem Wettbewerb untereinander und mit Handwerkern von außerhalb: kein Meister durfte einen Bauherrn um Arbeit angehen, und "die Stöhrer und Stümper aber, so nicht zünftig gelehrnet oder nirgends sich zünftig und haussessig nidergelassen, hin und wider herum vagiren, stöhren und die Handtwerckher verstumblen, sollen keineswegs geduldet, sondern gäntzlich ab und ausgeschafft werden." Bis heute wurden die einzelnen Berufe in ihrer Entwicklung in unterschiedlicher Weise von der Industrialisierung betroffen - längst gibt es keine Nagelschmiede mehr. Steinhauer (Steinmetze) sind heute Spezialisten, während es in Hardheim durch die industrielle Ausbeutung der Hardheimer Steinbrüche seit etwa 1900 bis in die Nachkriegszeit hinein viele Steinhauer gegeben hat; die Steine wurden direkt im Steinbruch nach Maß gearbeitet. Die übrigen Berufe sind auch heute noch - unter Verwendung entsprechender neuer Werkstoffe und Geräte - beim Hausbau vertreten.
|
Exponattexte H 26 A.1 |
|
|
H 30
Zünfte und GewerbefreiheitDer Ausschluß des
wirtschaftlichen Wettbewerbs innerhalb der Zünfte und die Einschränkung gewerblicher
Aktivitäten durch den Zunftzwang machte die Gewerbefreiheit zu einer der wichtigsten
Forderungen des aufstrebenden Bürgertums im 19. Jahrhundert. |
H 31Von der Produktion zur ReproduktionMit der industriellen
Revolution veränderten sich auch Struktur und Tätigkeitsbereich vieler Handwerksberufe:
durch die Ausweitung der industriellen Produktion wurden viele Handwerke überflüssig,
andere mußten sich auf den Bereich der Reproduktion beschränken oder auf bestimmte
Bereiche spezialisieren; daneben entstanden neue Tätigkeitsfelder und neue Berufe. |
H 32Industrie in HardheimIm Vergleich mit den industriellen Zentren setzte in Hardheim erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahrzehnten und aus handwerklichen Wurzeln heraus eine bescheidene Industrialisierung ein. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts war die Region durch die politische Entwicklung ins Abseits geraten ("badisch Sibirien") und bis 1911 ohne Anschluß an das seit Mitte des 19. Jahrhunderts wachsende Eisenbahnnetz geblieben. So waren bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg hinein erst eine Handvoll industriell produzierender Betriebe in Hardheim entstanden - die Steinbruchbetriebe, die Hardheimer Ziegelei, der Mühlenbaubetrieb Adolf & Julius Eirich und vor allem die Maschinenfabrik Gustav Eirich, deren Elektrizitätswerk zudem seit 1907 die Bürger Hardheims mit elektrischem Strom versorgte. Den vielfachen Wandel seit dieser Zeit haben nur zwei der genannten Betriebe überstanden. Aus dem Mühlenbaubetrieb Adolf & Julius Eirich wurde die Firma Adolf & Albrecht Eirich, Siloeinrichtungen, und nach wie vor der bedeutendste Hardheimer Betrieb ist die Maschinenfabrik Gustav Eirich - in ihrer Branche von internationaler Bedeutung. |
| H
32/1 Entwicklung der Adolf & Albrecht Eirich KG 1850 Johann Eirich,
ein Sohn des "Stammvaters" Matthias Eirich, heiratet und baut im Hofacker eine
Werkstatt. |
H
32/2 Entwicklung der Maschinenfabrik Gustav Eirich 1863 Gustav Eirich -
ein Sohn des Hardheimer "Mühlenarztes" Matthias Eirich - gründet ebenfalls als
Mühlenarzt ein eigenes Geschäft; die Werkstatt befindet sich in der heutigen Würzburger
Straße. |
H 34 Der DruckerSeit Johannes
Gutenberg in Mainz um 1455 erstmals ein Buch mit gegossenen und beweglichen Lettern
druckte, wurden Bücher für fast fünf Jahrhunderte mit demselben Verfahren gedruckt: aus
Blei gegossene Lettern werden zu Worten, Zeilen und Seiten zusammengesetzt und im
Hochdruck gedruckt - nur die erhabenen Teile drucken. |
Exponattexte H 35 Die vier wichtigsten Druckverfahren werden hier demonstriert: Der Hochdruck durch einen Schließrahmen mit Satzform, der Tiefdruck durch einen Kupferstich, der Flachdruck durch einen Stein und eine Offsetdruckplatte, und schließlich der Siebdruck durch ein Sieb. |
|
|
H 40Der ZieglerSchon im Jahr 1680
ist in Hardheim erstmals das Handwerk des Zieglers erwähnt - die Ziegelei befand sich in
einem Seitenweg zur Wertheimer Straße. |
Exponattexte H 40.5 Feierabendziegel; 16. - 18. Jahrhundert Früher wurden häufig die letzten Ziegel der Tagesproduktion oder eines Brandes mit verschiedenen Ornamenten verziert - mit Schriften und Zeichen, Sonnen und Figuren. |
H 41
Orgelbau in HardheimSchon seit Ende des
19. Jahrhunderts existiert in Hardheim eine Orgelbauerwerkstatt. |
© 1998-2000 Peter Wanner M.A.